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CrefoINFO - Zinssicherung: In weiser Voraussicht

Noch immer sind Firmenkredite preiswert wie selten zuvor. Doch die Hinweise auf eine bevorstehende Zinswende häufen sich. Weitsichtige Chefs können auch die Finanzierung künftiger Investitionen weitgehend zu den aktuell guten Konditionen über ihre Hausbanken absichern.

Steve Müller hat er Großes vor: Schon seit längerem will der Geschäftsführer der Steets-Tec GmbH, die für industrielle Kunden Präzisionswerkzeuge und Maschinen individuell plant und fertigt, expandieren. "Nicht aus eigener Kraft, sondern durch eine Übernahme", erklärt der 35-Jährige. Auf einer Onlineplattform für zum Verkauf stehende Unternehmen fand der Kölner mit Kierdorf einen Kaufkandidaten mit vergleichbarem Geschäftsmodell, ähnlichen Produkten und Dienstleistungen: Auch die Hildener fertigen Präzisionsmaschinenteile, sind aber mit Auftraggebern wie Bayer, Henkel, dem VW-Konzern oder Qiagen insbesondere in Deutschland stark, während Steets-Tec fast ausschließlich Kunden in Asien hat. Miteinander verschmolzen werden sollen die beiden Firmen in den nächsten Monaten, spätestens Anfang des kommenden Jahres. Eine Finanzierungszusage hatte Müller bereits vorliegen, als er sich mit Firmenchef Wilfried Kierdorf handelseinig wurde - also schon lange, bevor die Übernahme rechtlich unter Dach und Fach ist. Wie viel das für die Übernahme nötige Darlehen von rund 250.000 Euro kosten würde, wusste der Unternehmer damals allerdings noch nicht.

Neue (Zins-)Zeiten brechen an

Ob nun ein Firmenkauf, der sich oft über einen längeren Zeitraum hinziehen kann, oder die für das kommende Jahr geplante Erneuerung des Maschinenparks - Investitionsplanungen erfordern eine weitgehend verlässliche Kalkulation der Finanzierungskosten. Ärgerlich, dass auch der beste Banker nicht weiß, wie hoch die Kreditzinsen etwa in vier oder acht Wochen sein werden. Insbesondere derzeit, da Renditen und Zinsen an den Kapital- und Geldmärkten fast ausschließlich von der Politik und der Europäischen Zentralbank (EZB) bestimmt werden.

Zwar sind auch für Unternehmen die Langfristkonditionen sowie die Geldmarktzinsen, an denen sich die Preise variabler Firmenkredite orientieren, historisch günstig. Doch die Zinswende hielten viele Experten bereits im Sommer für vollzogen. So haben sich die Renditen von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit, die eine gute Orientierung für langfristige Festzinsdarlehen bieten, in den vergangenen Monaten vervielfacht. Zwar ist die Gesamtverzinsung dieser Bundis mit rund 0,6 Prozent (Stand: Anfang August) immer noch komfortabel, doch der Tiefststand lag bei rund 0,1 Prozent. Überdies hat die US-Notenbank spätestens für das vierte Quartal 2015 die erste Leitzinserhöhung nach etlichen Jahren angekündigt. Eine Maßnahme, die früher oder später auch auf die europäischen Geldmärkte ausstrahlen dürfte.

"Deshalb sollten Firmenchefs vor allem mittelständischer Unternehmen auf Nummer sicher gehen", empfiehlt Stefan Dohmen, Regionaldirektor Ost bei der genossenschaftlichen Kölner Bank. Grundsätzlich sind große Investitionen fristenkongruent zu gestalten. Soll heißen: langfristig, mit Zinsfestschreibung des Kredits und nicht über Kontokorrent. "Sinnvollerweise analog zum Abschreibungszeitraum", fügt Steuerberater Arne Großmann aus Eschweiler hinzu. Der Grund: "Überschreitet der Finanzierungs- den AfA-Zeitraum, ist das Investitionsgut bereits steuerlich abgeschrieben. Es gibt dann keinen Aufwand mehr, der den Gewinn reduziert. Das Darlehen muss aus dem höheren zu versteuernden Gewinn getilgt werden."

Langfristig planen - auch beim Kredit

Nach Dohmens Erfahrungen reichen für den typischen Mittelständler "eher herkömmliche und deshalb erprobte Finanzierungsstrategien" aus. Beispielsweise ein Darlehen mit langfristiger Zinsbindung von zehn Jahren, für das in den ersten sechs Monaten üblicherweise keine Bereitstellungsprovision fällig wird. Ein ausreichend großer Puffer, um den Zeitraum zwischen Unterzeichnung eines Kaufvertrags und Fälligkeit des Kaufpreises zu überbrücken. Doch auch wer mehr Vorlauf benötigt, kann sich die aktuellen Konditionen nach der sechsmonatigen Karenzzeit über ein Forward-Darlehen sichern - um bis zu 30 Monate zusätzlich. Der Zinszuschlag beträgt, abhängig von der Bank und der regionalen Konkurrenzsituation unter den Instituten, monatlich zwischen 0,02 und 0,03 Prozentpunkten.

Soweit zur Pflicht in puncto kalkulierbare Finanzierungskonditionen. Die Kür gestaltet sich deutlich ambitionierter und wird insbesondere von regional arbeitenden Banken entweder nicht selbst oder nur in Zusammenarbeit mit dem übergeordneten Dachinstitut angeboten. Infrage kommen da Zinssicherungsinstrumente wie der Zins-Swap und der Zins- Cap. Beide Varianten werden bevorzugt von Großunternehmen eingesetzt. "Aber auch für Mittelständler gibt es durchaus diese Möglichkeit", erklärt Dohmen von der Kölner Bank.

Steve Müller reichte das Hausbankdarlehen angereichert mit öffentlichen Mitteln aus dem Programm NRW-Bank Gründungskredit völlig. Vor allem, weil er und sein neuer Partner Wilfried Kierdorf sich schnell über Preis und Prozedere einig waren. Deshalb "war eine komplizierte und vielleicht auch riskante Zinssicherung wie bei Großunternehmen nicht nötig", so Müller, der mit seiner erweiterten Firma für die nächsten Jahre "20 Prozent Umsatzwachstum im Schnitt und die Schaffung neuer Arbeitsplätze" anpeilt.

SWAP & CO. - AIRBAG FÜR DIE ZINSEN

Die gängigsten Instrumente zur Begrenzung künftiger Finanzierungsrisiken sind sogenannte Zins-Swaps und Zins-Caps. Beide funktionieren zumindest in der Theorie unabhängig von der Unternehmensgröße. Hier die wichtigsten Aspekte:

Zins-Swap. Diesen Schutzschirm spannen Unternehmen vorzugsweise bei zwei Finanzierungsalternativen auf. Erstens: Die Firma nimmt ein Darlehen mit festem Zinssatz auf, zugleich rechnet der Finanzchef mit bereits in absehbarer Zeit sinkenden Zinsen. Oder zweitens: Die Finanzierung erfolgt über einen variabel verzinsten Kredit, zugleich mehren sich die Hinweise auf einen alsbaldigen Zinsanstieg.

Swaps funktionieren so: Zwei Vertragspartner vereinbaren einen Zinstausch. Getauscht werden dabei Zinszahlungen auf Festzins- sowie variabel verzinste (in der Regel auf Grundlage des Interbanken-Zins Sechs-Monats-Euribor) Verbindlichkeiten. Es liegt in der Natur der Sache, dass nur eine der beiden Vertragsparteien profitiert. Wer dies konkret ist, hängst ab von der Einschätzung zum künftigen Zinstrend und der tatsächlichen Zinsentwicklung.

Dies bedeutet in der Praxis: Wer auf der Festzinsseite steht und in variable Zinszahlungen tauscht, weil er mit sinkenden Zinsen gerechnet hat, zahlt bei einem Swap drauf, falls der Geldpreis gleich hoch bleiben oder sogar steigen sollte. Ein vergleichbares Ergebnis erzielt der Unternehmer, wenn er sich seinerzeit für eine variable Verzinsung entschieden hatte - der Zins aber wider Erwarten doch nicht zulegt.

Zins-Cap. Der Begriff Cap heißt übersetzt so viel wie Deckelung. Auf die Firmenfinanzierung übertragen bedeutet dies: "Bei einem variablen Darlehen wird eine Zinsobergrenze vereinbart. Diese wird also unabhängig von der Zinsentwicklung am Geldmarkt festgezurrt", erklärt Kölner-Bank-Experte Dohmen. Diese Maßnahme ermöglicht einem Unternehmen auch mittel- und längerfristig eine vergleichsweise präzise Kalkulation der Finanzierungskosten.

Text: Heinz-Josef Simons

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