Wirtschaftliche Lage verbessert, aber Mittelstand wartet ab
Aufwärtstrend im Mittelstand
Die wirtschaftliche Lage des Mittelstands ist im Herbst 2005 die beste seit mehr als vier Jahren. 30,6 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage mit sehr gut oder gut – im Vorjahr waren es nur 25,9 Prozent. Nur 10,1 Prozent nennen ihre Geschäftslage mangelhaft oder ungenügend (Vorjahr: 14,3 Prozent).
Dienstleister vorne
Unter den Hauptwirtschaftsbereichen hat der Dienstleistungssektor – gemessen am Saldo aus gestiegenen und gefallenen Umsätzen – die beste Umsatzentwicklung vorzuweisen: Bei 28 Prozent der Dienstleistungsbetriebe sind die Umsätze in den vergangenen sechs Monaten gestiegen, lediglich 23,2 Prozent mussten Umsatzeinbußen hinnehmen. Den zweiten Platz belegt überraschenderweise das Baugewerbe, das sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbesserte. Schlechter sieht es im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel aus, hier überwiegen die Betriebe mit Umsatzrückgängen.
Beschäftigungsaussichten im Osten verschlechtert
Im Westen ist der Anteil der Betriebe, die zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen, auf 12,4 Prozent gestiegen. Im Osten hingegen hat die Bereitschaft der Mittelständler, in den kommenden sechs Monaten Personal einzustellen, abgenommen: Nur noch 8,2 Prozent planen Neueinstellungen, während fast ein Viertel (24,8 Prozent) der kleinen und mittleren Unternehmen in Ostdeutschland Personal abbauen will.
Kaum Verbesserung bei der Eigenkapitalsituation
Wenig verändert zeigt sich die Eigenkapitalausstattung der kleinen und mittleren Unternehmen: Der Anteil der Betriebe mit einer soliden Eigenkapitaldecke von über 30 Prozent stieg um 2,3 Prozentpunkte. Gleichzeitig erhöhte sich aber auch die Zahl der mit einer Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent unterkapitalisierten Betriebe: Mit einem Anteil von 36,6 Prozent verfügt immer noch über ein Drittel der Betriebe über zu wenig Eigenkapital.
Kleine und große Mittelständler beurteilen Wirtschaftslage anders
Kleine und große Mittelständler schätzen ihre aktuelle Geschäftslage unterschiedlich ein: 35,5 Prozent der größeren mittelständischen Unternehmen bewerten ihre derzeitige Geschäftslage mit sehr gut oder gut, während nur etwa ein Viertel der Kleinbetriebe (25,3 Prozent) Bestnoten vergibt. Der größte Unterschied in der Bewertung der Geschäftslage besteht zwischen den kleinen und großen Betrieben im Verarbeitenden Gewerbe. Fast 40 Prozent der größeren Unternehmen signalisierten hier eine gute oder sehr gute Geschäftslage, aber nur 22,1 Prozent der kleinen Betriebe.
Große Mittelständler mit besserer Eigenkapitalausstattung
Betrachtet man die Finanzierungsstruktur kleinerer und größerer Betriebe, bestätigt sich die Erwartung einer tendenziell besseren Eigenkapitalausstattung der großen Mittelständler. 22,1 Prozent der Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern sind mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent solide finanziert. Zwar beträgt auch bei den Kleinbetrieben dieser Anteil fast zwanzig Prozent, doch ist die Zahl unzureichend kapitalisierter Betriebe mit 36,7 Prozent deutlich höher als bei den größeren Unternehmen mit 31,4 Prozent.
Kleinbetriebe wollen expandieren
Mehr als die Hälfte der Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern plant in den kommenden Monaten zu investieren, von den kleineren Unternehmen sind es lediglich 31,9 Prozent. Während die investitionsbereiten kleineren Unternehmen Wachstumspotenziale sehen und zu 54,4 Prozent Erweiterungsinvestitionen durchführen wollen, planen die Großbetriebe des Mittelstands in erster Linie Ersatzinvestitionen.