Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand: kein Aufschwung in Sicht
Creditreform befragt 4.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland
Blütenträume nicht gereift
Bei der Befragung des deutschen Mittelstandes im Frühjahr 2004 zeigten sich erste Ansätze einer konjunkturellen Verbesserung. Diese Erholung hat sich nicht fortgesetzt. Die aktuelle Geschäftslage wird von kleinen und mittleren Unternehmen schlechter beurteilt als vor einem Jahr. Vor allem der Bau hat bei den negativen Voten zugelegt (Vorjahr: 24,0 Prozent; 2005: 33,2 Prozent), aber auch der Handel hat mit einem Zuwachs bei den schlechten Beurteilungen von 19,6 auf 24,0 Prozent binnen Jahresfrist die Zahl der Skeptiker vergrößert. Bei allen Wirtschaftsbereichen vermag sich noch der Dienstleistungssektor am ehesten (27,5 Prozent) positiv zur aktuellen Geschäftslage zu äußern.
Weniger Umsatz - weniger Personal
Nur 11,7 Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen konnten ihren Personalbestand erweitern - im Vorjahr waren es noch 14,4 Prozent. Immerhin sprechen 58,7 Prozent der KMU von einem unveränderten Personalbestand (Vorjahr: 56,2 Prozent). Das ist dann schon fast eine gute Nachricht - immerhin jeder vierte Betrieb (28,7 Prozent) sah sich gezwungen, mit weniger Mitarbeitern auszukommen.
Tiefpunkt überwunden
Der Tiefpunkt bei den Aussagen zum Investitionsverhalten war im Jahr 2003 erreicht worden. Nur noch 32,2 Prozent der KMU konnten sich zu einer Zusage bei den Investitionen durchringen. Nachdem 2004 37,2 Prozent eine Investitionszusage machten, sind es 2005 immerhin 40,0 Prozent. Trotz dieser Aufwärtstendenz ist die positive Situation bis zur Jahrtausendwende noch nicht wieder hergestellt. In den neunziger Jahren überwog die Investitionsbereitschaft die Ablehnung von Investitionen deutlich.
Eher wieder zurückhaltend ...
Setzten im Vorjahr noch 24,4 Prozent der mittelständischen Betriebe auf steigende Umsätze, so sind es 2005 nur noch 21,0 Prozent. Sinkende Umsätze befürchten 27,6 Prozent (Vorjahr: 25,0 Prozent). Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen (49,8 Prozent; Vorjahr: 49,5 Prozent) geht davon aus, dass die Umsätze im nächsten halben Jahr auf gleichem Niveau bleiben. Ob dies eine gute Nachricht ist, mag zu bezweifeln sein. In den letzten Jahren haben mittelständische Umsätze gelitten.
Was unter dem Strich bleibt
Es sind nicht nur die mageren Umsätze, von denen mittelständische Betriebe für die Zukunft ausgehen - auch bei den Ertragsaussichten überwiegt der Pessimismus den Optimismus deutlich. 39,3 Prozent der Mittelständler fürchten sinkende Erträge; nur 16,7 Prozent hoffen auf steigende Gewinne. Im Vorjahr waren es 30,3 Prozent, die von dürftigeren Erträgen ausgegangen waren, 19,6 Prozent sprachen von einer Ertragssteigerung. Die altbekannten Lasten mittelständischer Betriebe bei den Sozial- und Steuerabgaben, aber auch hohe Energiekosten und Steigerungen bei den Einkaufspreisen lassen schmalere Margen befürchten.
Die Guten ins Töpfchen
Im Zeichen von Basel II, steigenden Unternehmensinsolvenzen und einer Neuausrichtung der Bankenlandschaft in Deutschland befindet sich die Finanzierung mittelständischer Betriebe in der Krise. Diese Krise des Mittelstandes gehört zu einer Auslese, die sich an der Eigenkapitalentwicklung ablesen lässt. Während ein größerer Teil von Betrieben mit einer unzureichenden Eigenkapitaldecke von unter zehn Prozent der Bilanzsumme auskommen muss (37,0 Prozent; Vorjahr: 31,4 Prozent), findet auf der anderen Seite auch bei den solide finanzierten Betrieben (über 30 Prozent Eigenkapitalquote) eine leichte Verstärkung statt. Binnen Jahresfrist hat dieser Anteil von 21,7 auf 22,1 Prozent zulegen können.
Wettbewerb durch "Preiskrieg"
Mehr als die Hälfte der mittelständischen Betriebe (51,8 Prozent) sprechen von einem "Preiskrieg", in dem man sich befinde. Nur die wenigsten Betriebe können ihre kalkulierten Preise am Markt durchsetzen. An dieser Situation wird sich wohl wenig ändern. 61,8 Prozent der KMU fürchten, dass die Situation bei den Preisen wenig Entspannung finden wird - 31,2 Prozent sprechen sogar von einer weiteren Verschlechterung. Dabei sind existenzbedrohende Rabattierungen und Unterbietungen der Preise des Wettbewerbers am Bau auch in Zukunft bestimmend. 42,2 Prozent der mittelständischen Bauunternehmen fürchten eine weitere Verschlechterung der Preissituation im kommenden Jahr.