zur Startseite Stadtansicht
 
Wussten Sie schon, dass

... Sie als Creditreform Mitglied kostenlos am Zahlungserfahrungspool teilnehmen können und damit auf knapp 70 Mio. externe Zahlungserfahrungen zugreifen können?

Hier informieren

Startseite » Wirtschaftsanalysen » Wirtschaftslage Handwerk »Wirtschaftslage Handwerk, Frühjahr 2005

Wirtschaftslage im Handwerk: von der Erholung zur Stagnation
Creditreform befragt 3.600 Handwerksbetriebe in Deutschland

"Von der Erholung in die Stagnation" - so könnte man die Wirtschaftslage im Handwerk zu Beginn des Jahres 2005 beschreiben. Während sich die Betriebe im Frühjahr 2004 noch hoffnungsvoll zeigten, treten sie nun auf der Stelle. Dabei fällt Ostdeutschland besonders auf: die Wirtschaftslage fällt dort in vielen Bereichen ins Negative.

Creditreform befragte im Frühjahr 2005 mehr als 3.600 der knapp 665.000 Handwerksbetriebe in Deutschland nach ihrem aktuellen Befinden und ihren Zukunftsperspektiven. Das Handwerk findet sich strukturell in schwieriger Lage, dazu gehören die Ungewissheit in Bezug auf das Herkunftslandprinzip der Dienstleistungsrichtlinie, die Ein-Euro-Jobs und der gefallene Meisterzwang.

Die Bewertungen im Handwerk stagnieren. Jedes fünfte Handwerksunternehmen (20,4%) beurteilt seine aktuelle Geschäftslage mit sehr gut und gut. Fast ebenso viele Betriebe (20,0%) vergeben die Noten mangelhaft und ungenügend. Auch hier ist ein Rückgang (um 0,9 Prozentpunkte) im Jahresverlauf zu verzeichnen. Der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen zur Geschäftslage verbesserte sich geringfügig um 0,1 Prozentpunkte auf 0,4%.

Wirtschaftsanalyse Handwerk Abb1

Allerdings weichen die Ergebnisse der beiden Länder voneinander ab. Während im Westen mehr Betriebe ihre Geschäftssituation mit sehr gut und gut benoten, rutschen die Bewertungen im Osten ab.

Obwohl mehr Betriebe als vor einem Jahr aktuell über gestiegene Umsätze berichten, reicht der Umsatzzuwachs nicht aus. 20,8% der befragten Handwerksunternehmen konnten ihren Umsatz steigern (= Zuwachs von 3,7 Prozentpunkten). Immer noch 35,0% verweisen allerdings auf rückläufige Umsätze, so dass der Saldo aus Umsatzsteigerungen und -rückgängen, trotz der Verbesserungen, mit minus 14,2% weiter tief im roten Bereich verharrt.

Wirtschaftsanalyse Handwerk Abb3

Die Ost- und Westdeutschlandbewertungen gehen aber auch hier auseinander. Im Westen konnten 22,2% der Befragten mehr Umsatz erwirtschaften und 33,9% mussten sinkende Umsätze hinnehmen. Im Osten stieg zwar die Zahl der Betriebe mit Umsatzsteigerungen auf 17,1%, aber auch deutlich mehr Unternehmen (38,1%) mussten sinkende Umsätze verkraften. Der negative Saldo stieg hier von minus 18,3% auf minus 21%.

Die Angaben zum Personalbestand im Handwerk haben sich verschlechtert. Zwar haben mehr Betriebe ihren Mitarbeiterstamm innerhalb des letzten halben Jahres aufgestockt (14,6% im Vergleich zu 14,0% im Frühjahr 2004). Stärker zugenommen hat aber auch die Zahl der Betriebe, die sich von Mitarbeitern trennen mussten und zwar um 1,1 Prozentpunkte auf aktuell 35,0%. Der Saldo aus Personaleinstellungen und -entlassungen rutschte von minus 19,9 auf minus 20,4%.

Wirtschaftsanalyse Handwerk Abb2

Auch hier zeigte der Osten eine Verschlechterung der Situation und der Westen eine Verbesserung.

OstenWesten
Mehreinstellungen10,7% (15,7%)16,1% (13,4%)
Personalverkleinerungen40,0% (33,8%)33,1% (33,9%)

Was die Ertragserwartungen anbelangt, sieht die Zukunft im Handwerk nicht sehr rosig aus: nur noch 17,2% hoffen auf steigende Erträge im nächsten halben Jahr, fast ein Drittel (32,9%) der Befragten befürchtet dagegen sinkende. Es dürften vor allem steigende Bezugspreise (Rohstoffe, Energie, Großhandelspreise) sein, welche die Erträge der Handwerksbetriebe in Zukunft weiter schmälern könnten.

Wirtschaftsanalyse Handwerk Abb4

Die Angaben zur zukünftigen Personalsituation haben sich hingegen hauchdünn verbessert: 0,3% mehr Betriebe als im Frühjahr 2004 wollen ihren Personalbestand vergrößern, und 0,1% weniger planen, sich von Mitarbeitern zu trennen.

Auch die Investitionsbereitschaft im Handwerk hat zugenommen. Die Zahl investitionswilliger Betriebe nahm im Jahresverlauf zu: im Spätwinter 2005 planen 44,4% der befragten Unternehmen, in den kommenden sechs Monaten Investitionen zu tätigen - vor einem Jahr waren es nur 39,7%. Leider überwiegen - wie das Schaubild zeigt - nach wie vor die unabdingbaren Ersatzinvestitionen (66,6%; Frühjahr 2004: 64,6%). Zu Erweiterungsinvestitionen sieht sich lediglich ein Drittel imstande (34,8%; Vorjahr: 34,3%).

Wirtschaftsanalyse Handwerk Abb5

Das Zahlungsverhalten sowohl der privaten Kunden des Handwerks als auch der Städte und Gemeinden hat sich verbessert, wenngleich private Auftraggeber immer noch deutlich schneller zahlen als öffentliche. 78,6% der privaten Kunden zahlen ihre Rechnung fristgerecht innerhalb eines Monats, nur 0,7% lassen sich mehr als 90 Tage Zeit. Von den öffentlichen Kunden des Handwerks begleichen 60% innerhalb von 30 Tagen ihre Rechnung, und 4,1% lassen sich mehr als drei Monate Zeit (= Rückgang von 0,3 Prozentpunkten).

Im Verhältnis zum Umsatz ist auch die Zahl der hohen Forderungsverluste rückläufig, und zwar um 2,6 Prozentpunkte. Während in 2004 nur 8,3% der Befragten keine Forderungsverluste zu verzeichnen hatten, waren es 2005 schon 10%.

Allerdings stieg die Zahl der Insolvenzen im Handwerk stärker an als im Unternehmensdurchschnitt in Deutschland. Im Jahr 2004 waren 4.600 Konkurse zu beklagen, 39.600 Unternehmen mussten den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Dadurch mussten 51,9% der befragten Handwerksunternehmen Forderungsverluste hinnehmen. Dieser Wert verringerte sich im Jahresverlauf geringfügig um 6,4 Prozentpunkte.

14,0% der befragten Handwerksbetriebe in Deutschland verfügen über eine solide Eigenkapitaldecke von mehr als 30% im Verhältnis zur Bilanzsumme - eine Steigerung von 2,2 Prozentpunkten im Jahresverlauf. Die Mehrheit der Betriebe ist nach wie vor nur unzureichend mit Eigenkapital ausgestattet. 39,2% verfügen über weniger als 10% haftendes Eigenkapital und sind damit unterkapitalisiert.

Wirtschaftsanalyse Handwerk Abb6

Seit mehr als einem Jahr ist die Handwerksreform nun in Kraft und erntete im Vorfeld einiges an Kritik. Die Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung wollte wissen, welche Erfahrungen die Betriebe bislang mit dem neuen Gesetz gemacht haben. 40,5% konnten keine Veränderung feststellen, 27,0% berichten von erhöhtem Konkurrenzdruck, 13,0% sind der Ansicht, dass die Qualität der Ausbildung unter der Handwerksnovelle leide, 8,9% haben von unzufriedenen Kunden gehört und 5,7% von Insolvenzen.

Wirtschaftsanalyse Handwerk Abb7

Die Akzeptanz der Handwerksnovelle erhöhte sich im Jahresverlauf. Während vor einem Jahr noch 72,0% das Gesetz ablehnten, sind es mittlerweile nur noch 65,5%.

Auch der Ausbildungspakt, den die Wirtschaft mit der Regierung für mehr Lehrstellen schloss, wird gemeinhin als Erfolg bezeichnet. Seit Geltung des Paktes stellten 2,3% der Befragten Auszubildende ein, 85,8% taten dies jedoch bereits vorher und immerhin 10,2% ist der Ausbildungspakt unbekannt. Der Eindruck, den die Lehrlinge hinterlassen, ist überwiegend positiv: 34,6% der befragten Handwerksbetriebe geben an, die Azubis würden interessierter an der Ausbildung sein. Nur 9,0% bemängeln eine schwache Qualifikation und 7,7% Desinteresse an der Ausbildung.

Trotz des Erfolges des Ausbildungspaktes sind 62,9% der Unternehmen der Auffassung, dass das Abkommen die bestehenden Arbeitsplatzprobleme nicht zu lösen vermag. Nur 16,9% sehen im Ausbildungspakt eine Chance für die Jugendlichen.

Downloads

Wirtschaftslage Handwerk, Frühjahr 2005
Vollständige Analyse als PDF-Datei(140,00 kByte)

 

NEU! Bonitätsatlas 2009

Risikoklassen für alle deutschen/sächsischen Kreise
Schuldneratlas Teaser
 
 
 
Seite drucken nach oben
Startseite Impressum Über uns Anfahrt Sitemap Presse
(c) Creditreform Dresden | Augsburger Str. 3 | D-01309 Dresden
Tel: +49 351 4444-444 | Fax: +49 351 4444-555 | E-Mail: info@dresden.creditreform.de