Insolvenzen, Neugründungen und Löschungen, Halbjahr 2006
Rückgang der Unternehmensinsolvenzen hält an
Die Unternehmensinsolvenzen erreichten im 1. Halbjahr 2004 ihren Höhepunkt und entwickelten sich seitdem mit rückläufiger Tendenz. Innerhalb der ersten sechs Monate im Jahr 2006 mussten 16.700 Betriebe den Gang zum Insolvenzgericht antreten; das entspricht einem Minus von 12,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Verbraucherinsolvenzen weiter auf dem Vormarsch
Das Verbraucherinsolvenzverfahren wurde erst 1999 in Deutschland eingeführt. Seit Ende 2001 werden völlig mittellosen Schuldnern die Gerichtskosten gestundet, was den hohen Anstieg der Verbraucherinsolvenzen seit dem Jahr 2002 erklärt. Ein Ende der starken Steigerungen bei den Insolvenzen von natürlichen Personen ist nicht abzusehen, gelten doch 3,1 Millionen Haushalte in Deutschland als überschuldet.
Weniger Arbeitnehmer von Insolvenzen betroffen
Die insolvenzbedingten Arbeitsplatzverluste nehmen entsprechend den Unternehmensinsolvenzen seit dem Jahr 2004 ab. Im ersten Halbjahr 2006 waren 234.000 Arbeiter und Angestellte von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen. Das entspricht einem Rückgang von 13 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2005 (269.000).
Knapp 80.000 Gesamtinsolvenzen
Während die Unternehmensinsolvenzen bereits seit 2004 zurückgehen und in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres einen Tiefpunkt von 16.700 Fällen erreicht haben, steigen die Insolvenzen von Verbrauchern deutlich auf 43.600 Betroffene an (plus 40,9 Prozent). Die sonstigen Insolvenzen - insbesondere überschuldete Nachlässe, ehemals Selbstständige, Vereine und Stiftungen - legten dagegen nur moderat um 4,5 Prozent zu.
Deutliche Rückgänge beim Bau und im Handel
Während die Wirtschaftsbereiche Dienstleistung und Verarbeitendes Gewerbe nur unterdurchschnittliche Rückgänge bei den Insolvenzen aufweisen, verzeichnen der Bau und der Handel eine deutliche Abnahme der Insolvenzfälle. Nach wie vor dominiert der Dienstleistungssektor das Insolvenzgeschehen. 49,0 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen kommen aus dieser Branche.
Weniger Eintragungen ins Handelsregister
Im ersten Halbjahr 2006 wurden 472.700 neue Unternehmen in die Register eingetragen. Das sind 1,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Gewerbeabmeldungen verzeichneten mit einem Plus von 9,0 Prozent auf 396.700 aber einen stärkeren Anstieg. Auffallend ist ein Rückgang bei den Neueintragungen ins Handelsregister trotz insgesamt steigender Gründungszahlen. Dies kann auch im Zusammenhang mit der zunehmenden Beliebtheit ausländischer Rechtsformen, wie der britischen Limited, bei deutschen Unternehmern gesehen werden.
Neugründungen steigen moderat
Mit 472.700 neu gegründeten Betrieben bleiben die Gründungsaktivitäten in Deutschland auf sehr hohem Niveau. Die Zahl der Neugründungen liegt im ersten Halbjahr 2006 sogar etwas höher als im Jahr 2004, am Beginn des Gründungsbooms. Ob dieses hohe Niveau bei den Neugründungen zu halten sein wird, hängt auch vom Erfolg des neuen Förderinstruments ab, das voraussichtlich ab August die Ich-AG und das Überbrückungsgeld ablösen wird.