Insolvenzen, Neugründungen und Löschungen, 1. Halbjahr 2005
Unternehmensinsolvenzen rückläufig - Privatinsolvenzen nehmen kräftig zu
Die Gesamtinsolvenzen in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2005 um 10,1 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2004 zugelegt. 62.600 Unternehmens- und Privatinsolvenzen sind bei den Insolvenzgerichten zu registrieren - im ersten Halbjahr 2004 waren es 56.850 Fälle. Unterschiedliche Entwicklungen kennzeichnen das Gesamtinsolvenzaufkommen: Während die Unternehmensinsolvenzen um 6,2 Prozent abgenommen haben, legen die Privatinsolvenzen um 18,9 Prozent zu. Unter den Privatinsolvenzen findet sich der Löwenanteil der Verbraucherkonkurse: Mehr als 29.000 Bürger fanden kein Auskommen mit dem Einkommen - eine Steigerung gegenüber 2004 um 33,5 Prozent.
Gipfelplateau überschritten?
Bei den Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2005 ist man fast wieder auf dem Stand von 2002 angekommen: 18.700 betroffene Firmen sind es im ersten Halbjahr 2005 - im ersten Halbjahr 2002 waren es 18.350 betroffene Betriebe. Der Rückgang gegenüber 2004 beträgt 6,2 Prozent. Fraglich bleibt, ob hier tatsächlich ein positiver Trend auszumachen ist oder ob sich eine Entwicklung wie zu Ende der neunziger Jahre abzeichnet. So waren auch 1999 die Unternehmensinsolvenzen leicht rückläufig - in den Folgejahren nahmen sie dann aber kräftig zu.
Verarbeitendes Gewerbe am besten erholt
Den deutlichsten Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe: Um 14,6 Prozent ist die Zahl der Insolvenzanträge im ersten Halbjahr 2004 geringer ausgefallen. Fast 1.500 Unternehmen aus diesem Wirtschaftsbereich sind noch betroffen. Insolvenzen als Spiegel der konjunkturellen Entwicklung? Während das Verarbeitende Gewerbe von der guten Exportkonjunktur lebt, ist der Groß- und Einzelhandel durch die mangelnde Konsumbereitschaft angeschlagen. Mit einem Rückgang von nur 3,3 Prozent bleibt die Zahl der Insolvenzen (4.630) auf einem hohen Niveau.
Eher kleinere Betriebe betroffen
Trotz dreier Großinsolvenzen - Walter Bau, AgfaPhoto und der Drogeriekette "Ihr Platz" - ist das Insolvenzgeschehen im ersten Halbjahr 2005 von einer Vielzahl kleiner Unternehmen geprägt. Um 1,3 Prozentpunkte nahm der Anteil insolventer Unternehmen zu, die höchstens fünf Beschäftigte zählen (73,3 Prozent; Vorjahr: 72,0 Prozent). Größere Mittelständler, die mehr als 100 Personen beschäftigen, sind nur zu 0,8 Prozent am Gesamtinsolvenzaufkommen beteiligt. Insgesamt droht im ersten Halbjahr 2005 269.000 Arbeitnehmern der Arbeitsplatzverlust durch die Insolvenz ihres Arbeitgebers.
Weniger Anmeldungen - deutlich mehr Abmeldungen
In den deutschen Registern haben sich im ersten Halbjahr 2005 0,8 Prozent weniger Betriebe als im Vorjahr eingetragen. Gut 464.000 Neueintragungen stehen 364.100 Löschungen gegenüber. Die Abmeldungen haben um 9,0 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2004 zugelegt. Das macht sich beim Saldo deutlich bemerkbar: Nur 100.100 bleiben übrig - ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr von mehr als 25 Prozent.
Gründungsgeschehen auf hohem Niveau
Auch wenn Rückgänge gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen sind - die Zahl der Neugründungen bleibt in Deutschland auf einem hohen Niveau. Positiv vor allem für die Gesamtwirtschaft: Die Zahl der durch Gründer geschaffenen Arbeitsplätze von 139.400 hat sich gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres nur geringfügig vermindert. Im ersten Halbjahr 2004 waren es 148.240 Arbeitsplätze, die neue Firmen zur Verfügung stellten. Im Handelsregister fallen über 60 Prozent der Neugründungen auf die Dienstleister. An zweiter Stelle steht der Handel, über 20 Prozent der Eintragungen im Handelsregister waren Groß- und Einzelhändler. Zu wünschen bleibt eine Ankurbelung der Gründungen in Zukunftsbereichen, etwa dem High-Tech-Sektor. Staatliche Förderungen sollten hier ansetzen.
Stadtstaaten treiben Gründungsgeschehen an
Bezogen auf 10.000 existierende Betriebe zeigen Hamburg, Bremen und Berlin das vitalste Gründungsgeschehen. Nimmt man allerdings die absoluten Zahlen von neu gegründeten Unternehmen im ersten Halbjahr 2005, so zeigen die Flächenstaaten weiterhin die meisten Neueintragungen. In Nordrhein-Westfalen wurden mehr als 13.000 Betriebe im Handelsregister eingetragen, in Bayern sind es etwa 9.800 und in Baden-Württemberg mehr als 6.000.