Dienstleister der Informationsgesellschaft: Konjunktuelle Lage weiterhin stabil - positiver Jahresabschluss 2006
Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Verband der Vereine Creditreform haben im Dezember 2006 eine Konjunkturumfrage bei Dienstleistern der Informationsgesellschaft durchgeführt. Daran waren rund 800 Unternehmen beteiligt.
Der Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft setzt sich zusammen aus Informations- und Kommunikationstechnologie- (IKT) Dienstleistern (Unternehmen der Branchen EDV-Dienste und -Vermietung, IKT-Fachhandel sowie Telekommunikationsdienste) und wissensintensiven Dienstleistern (Unternehmen der Branchen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architekturbüros, technische Beratung und Planung, Forschung und Entwicklung sowie Werbung).
Die Ergebnisse im Überblick:
Der ZEW-IDI, Stimmungsindikator für den Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft, ist im vierten Quartal 2006 leicht um 0,2 Punkte gestiegen und liegt nun bei einem Wert von 64,3 Punkten. Die Geschäftsentwicklung beurteilen die Unternehmen des Wirtschaftszweigs im vierten Quartal 2006 positiv. So ist der Teileindikator, der die Entwicklung der aktuellen Geschäftslage widerspiegelt, im vierten Quartal 2006 um 7,1 Punkte auf 66 Punkte gestiegen.
Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung ihrer Geschäfte sind die Unternehmen des Wirtschaftszweiges jedoch skeptisch: Der entsprechende Teilindikator ist im vierten Quartal 2006 um 7,2 auf jetzt 62,3 Punkte gesunken.
Knapp ein Drittel der Unternehmen des Wirtschaftszweigs Dienstleister der Informationsgesellschaft beurteilt die Umsatzsituation im vierten Quartal 2006 positiv, ebenfalls etwa ein Drittel die Nachfragesituation.
Mehr als die Hälfte der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater berichtet im vierten Quartal 2006 von gestiegenen Umsätzen. Auch bei mehr als einem Drittel der IKT-Händler und der Unternehmen der Branche Forschung und Entwicklung sind im vierten Quartal 2006 die Umsätze gestiegen.
Eine besonders positive Nachfragesituation zeigt sich bei den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern und IKT-Händlern. Mehr als die Hälfte der Unternehmen dieser Branchen berichten im vierten Quartal 2006 von einer gestiegenen Nachfrage.
Die gute Geschäftslage im vierten Quartal 2006 gibt auch dem Arbeitsmarkt Aufschwung. So hat etwa ein Viertel der Unternehmen des Wirtschaftszweigs Dienstleister der Informationsgesellschaft im vierten Quartal 2006 mehr Personal eingestellt als entlassen. Vor allem bei den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern, den Unternehmensberatern sowie den technischen Beratern und Planern ist die Personalsituation erfreulich.
Der Anteil der Unternehmen, die im vierten Quartal 2006 Personal eingestellt haben, überwiegt den Anteil der Unternehmen, die Personal entlassen haben, bei den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern um etwa die Hälfte und bei den technischen Beratern und Planern um etwa ein Drittel.
Der Teilindikator, der die Geschäftserwartungen der Dienstleister der Informationsgesellschaft für das erste Quartal 2007 widerspiegelt, ist im vierten Quartal 2006 im Vergleich zum dritten Quartal 2006 um 7,2 Punkte gefallen und liegt jetzt bei 62,6 Punkten.
Die zurückhaltenden Erwartungen für das erste Quartal 2007 spiegeln möglicherweise die Unsicherheit der Unternehmen des Wirtschaftszweigs bezüglich der Auswirkungen der Mehrwertssteuererhöhung wider. Besonders ausgeprägt ist diese zurückhaltende Erwartung der Geschäftsentwicklung bei den Architekten. Mehr als ein Fünftel dieser Branche rechnet für das erste Quartal 2007 mit sinkenden Umsätzen und einem Rückgang der Nachfrage.
Eine sinkende Nachfrage erwarten für das erste Quartal 2007 auch die Unternehmen der Werbebranche und die technischen Berater und Planer. Die künftige Ertrags- und Personalentwicklung beurteilen vor allem die Architekten sowie die EDV-Dienstleister und -Vermieter negativ. So rechnet mehr als ein Viertel der Architekten mit einem sinkenden Personalbestand.
Optimistisch blicken hingegen die Unternehmen der Branchen Telekommunikationsdienstleistungen sowie Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung auf das erste Quartal 2007. Mehr als die Hälfte der Unternehmen dieser Branche rechnet mit steigenden Umsätzen.
Hohe Ausbildungintensität und großer Weiterbildungsbedarf
Die Ausbildungsintensität ist bei den Dienstleistern der Informationsgesellschaft hoch: Knapp vier Fünftel aller Unternehmen des Wirtschaftszweigs bilden in einem oder mehreren Ausbildungsberufen aus. Am stärksten engagieren sich mit etwa 90 Prozent der Unternehmen die Telekommunikationsdienstleister in der Ausbildung, während bei den Architekten und Unternehmensberatern lediglich jeweils knapp zwei Drittel der Unternehmen ausbilden.
Eine Ausbildung in einem oder mehreren IT-Ausbildungsberufen bietet knapp die Hälfte der Unternehmen des Wirtschaftszweigs an. Die Telekommunikationsdienstleister und die Unternehmen der Branche EDV-Dienste und -Vermietung bieten erwartungsgemäß besonders IT-Ausbildungsberufe an. So bilden mehr als vier Fünftel der Telekommunikationsdienstleister und knapp vier Fünftel der EDV-Dienstleister und -Vermieter in IT-Berufen aus.
Etwa ein Fünftel der Dienstleister der Informationsgesellschaft rechnet in den kommenden drei Jahren mit einer steigenden Anzahl von Auszubildenden, wobei vor allem die Unternehmen der Branche Forschung und Entwicklung und Unternehmensberatung eine positive Entwicklung erwarten.
Von den Dienstleistern der Informationsgesellschaft, die im Jahr 2006 keine Auszubildenden eingestellt haben, gibt knapp die Hälfte keinen Bedarf als Grund an. Etwa ein Zehntel der Unternehmen ohne Auszubildende hatte zwar Ausbildungsbedarf, jedoch Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden. Dies trifft vor allem auf die Unternehmen der Branchen Steuerberatung sowie Forschung und Entwicklung zu.
Ein weiteres Zehntel der Unternehmen des Wirtschaftszweigs, die im Jahr 2006 keine Auszubildenden eingestellt haben, hatte zwar Ausbildungsbedarf, jedoch war den Unternehmen der Ausbildungsaufwand zu groß. Für knapp die Hälfte der Telekommunikationsdienstleister und mehr als ein Drittel der Steuerberater war dies der Grund dafür, im Jahr 2006 keine Auszubildenden einzustellen.
Von Weiterbildungsbedarf berichten in 2006 etwa drei Viertel der Dienstleister der Informationsgesellschaft. Dabei sieht der Großteil der Unternehmen des Wirtschaftszweigs den Bedarf an Weiterbildung bei seinen Mitarbeitern nach mehreren Jahren Beufserfahrung und nur etwa die Hälfte der Unternehmen im Anschluss an die Erstausbildung.
Weiterbildungsbedarf begleitend zur beruflichen Erstausbildung haben im Jahr 2006 etwa drei Viertel der Unternehmen des Wirtschaftszweigs. Nur die EDV-Dienstleister und -Vermieter liegen hier unter dem Durchschnitt: Bei ihnen hat lediglich knapp die Hälfte der Unternehmen Fortbildungsbedarf begleitend zur Erstausbildung.
Der komplette Branchenreport mit Grafiken steht rechts oben zum Download für Sie zur Verfügung.
Zusatzinformation zum ZEW-IDI:
Der ZEW-IDI wird aus den vier Komponenten Umsatzlage, Nachfragelage, Umsatzerwartungen und Nachfrageerwartungen (jeweils im Vergleich zum vorhergehenden beziehungsweise nachfolgenden Quartal) gebildet. Sie gehen jeweils mit gleichen Gewichten in die Berechnung ein. Umsatzlage und Nachfragelage bilden einen Teilindikator, der die Geschäftslage widerspiegelt. Umsatzerwartungen und Nachfrageerwartungen bilden einen Teilindikator, der die Geschäftserwartungen widerspiegelt. Das geometrische Mittel der Geschäftslage und der Geschäftserwartungen ergibt den Wert des ZEW-Indikators der Dienstleister der Informationsgesellschaft. Der Stimmungsindikator kann Werte von 0 bis 100 annehmen. Werte größer als 50 weisen auf eine Verbesserung der konjunkturellen Stimmung im Vergleich zum Vorquartal hin, Werte kleiner als 50 auf eine Verschlechterung im Vergleich zum Vorquartal.
Ausführliche Informationen zur Entwicklung und Berechnung des ZEW-IDI finden Sie auf der Homepage des ZEW.