Dienstleister der Informationsgesellschaft: Positive Beschäftigungseffekte trotz gedämpfter Konjunkturentwicklung
Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Verband der Vereine Creditreform haben im März 2006 eine Konjunkturumfrage bei Dienstleistern der Informationsgesellschaft durchgeführt. Daran waren rund 1.000 Unternehmen beteiligt.
Der Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft setzt sich zusammen aus Informations- und Kommunikationstechnologie- (IKT) Dienstleistern (Unternehmen der Branchen EDV-Dienste und -Vermietung, IKT-Fachhandel sowie Telekommunikationsdienste) und wissensintensiven Dienstleistern (Unternehmen der Branchen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architekturbüros, technische Beratung und Planung, Forschung und Entwicklung sowie Werbung).
Die Ergebnisse im Überblick:
Der Stimmungsindikator für den Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft (ZEW-IDI) ist im ersten Quartal 2006 auf 63,3 Punkte gesunken. Die Unternehmen des Wirtschaftszweiges waren im ersten Quartal 2006 weder mit der Umsatzentwicklung noch mit der Nachfrageentwicklung so zufrieden wie im vierten Quartal 2005.
Allerdings hatte die Beurteilung der Geschäftslage im Schlussquartal 2005 auch ein historisches Hoch erreicht, welches nur durch eine außergewöhnlich gute Geschäftslage hätte übertroffen werden können.
Lage am Arbeitsmarkt erneut verbessert
Die positive Beurteilung der Zukunftsperspektiven im Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft zeichnet sich auch auf dem Arbeitsmarkt ab. Das zweite Quartal in Folge überwiegt der Anteil der Dienstleister, die Personal eingestellt haben, den Anteil der Dienstleister, die Personal freigesetzt haben.
Erstmals seit dem ersten Quartal 2002 überwiegt auch bei den ostdeutschen Dienstleistern der Informationsgesellschaft der Anteil der einstellenden Unternehmen den Anteil der Unternehmen, die Personal entlassen haben.
30% der ostdeutschen Unternehmen geben im ersten Quartal 2006 an, dass ihr Personalbestand zugenommen hat. Dem stehen 23% der ostdeutschen Unternehmen gegenüber, die angeben, dass sich ihr Personalbestand im ersten Quartal verringert hat.
Besonders ausgeprägt ist diese positive Entwicklung bei den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern. In dieser Branche geben 60% der Unternehmen an, dass die Anzahl ihrer Beschäftigten im ersten Quartal 2006 gestiegen ist. Bei den technischen Beratern und Planern liegt dieser Anteil bei etwas mehr als 55%. Nur die EDV-Dienste und -Vermietung sowie die Architekten haben im ersten Quartal 2006 einen negativen Saldo in der Beschäftigungsentwicklung.
Branchenbetrachtung
Die Telekommunikationsdienstleister konnten im ersten Quartal 2006 nicht an das sehr positive Schlussquartal 2005 anknüpfen. Fast 90% der Unternehmen der Branche haben im ersten Quartal 2006 weniger Umsatz erzielt als im Vorquartal. Die Nachfrage nach Telekommunikationsdienstleistungen ist nach Angabe der Unternehmen nicht gesunken. Vielmehr beeinträchtigt der Preisdruck die Umsatzentwicklung.
Die Erwartungen der Telekommunikationsdienstleister für das zweite Quartal 2006 sind jedoch optimistisch. Von allen untersuchten Branchen ist bei den Telekommunikationsdienstleistern der Anteil der Unternehmen, die im zweiten Quartal Personal einstellen wollen, am höchsten.
Einem starken Preisdruck unterlagen im ersten Quartal 2006 auch die EDV-Dienstleister und -Vermieter. Trotz einer positiven Tendenz in der Nachfrageentwicklung ist die Umsatzentwicklung in dieser Branche per Saldo rückläufig. In der Vergangenheit zählte die Branche der EDV-Dienstleister und -Vermieter zu den dynamischsten Branchen im Wirtschaftszweig. Mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet im zweiten Quartal 2006 wieder mit einem positiven Umsatzwachstum.
Die Unternehmen der Werbebranche blicken auf einen positiven Jahresauftakt 2006 zurück. Mehr als die Hälfte der Werbeagenturen hat im ersten Quartal 2006 einen höheren Umsatz erzielt als im Vorquartal. Etwa drei Viertel der Unternehmen dieser Branche erwarten, dass sie im zweiten Quartal 2006 den Umsatz weiter steigern können. Laut den Erwartungen der befragten Werbeagenturen dürfte sich die positive Konjunktur im zweiten Quartal 2006 auch positiv auf die Beschäftigung auswirken.
Schadprogramme aus dem Internet
Die Gefahren aus dem Internet haben in letzter Zeit stark zugenommen. Eine besondere Bedrohung geht daher von den so genannten Schadprogrammen, also Viren, Würmern und Trojanern, aus. Diese Programme können Datenverlust verursachen oder das Betriebssystem so schädigen, dass es neu installiert werden muss.
In den vergangenen Jahren traten vermehrt Programme auf, die versuchen, vertrauliche Daten auszuspionieren oder zu dem infizierten Computer eine Hintertür zu öffnen, so dass der Rechner vom Urheber des Schadprogramms ferngesteuert werden kann. In fast allen Unternehmen werden Antiviren-Programme eingesetzt, die die Zahl der durch Schadprogramme verursachten Probleme erheblich reduzieren. Allerdings können auch sie keinen 100%igen Schutz vor Befall bieten.
Im ersten Quartal 2006 haben ca. 60% der Dienstleister der Informationsgesellschaft angegeben, dass ihre IT-Systeme bereits mindestens einmal von Schadprogrammen befallen waren.
In 2004 und 2005 waren EDV-Dienstleister und -Vermieter überdurchschnittlich häufig von Gefahren aus dem Internet betroffen. Und auch knapp 60% der Werbeagenturen hatten in diesem Zeitraum mindestens einen Schaden durch Viren zu verzeichnen.
Am wenigsten von Schadprogrammen betroffen sind Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. 80% der Unternehmen dieser Branche geben an, noch nie Opfer eines Schadprogramms geworden zu sein. Auch in den Branchen technische Beratung und Planung sowie Unternehmensberatung sind Schadprogramme relativ selten.
Investition in IT-Sicherheit
Der Gefahren, die die Nutzung des Internets mit sich bringt, ist sich die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen im Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft bewusst.
Drei von vier Dienstleistern der Informationsgesellschaft lassen sich in Fragen der IT-Sicherheit von externer Seite beraten, und jedes dritte Unternehmen des Wirtschaftszweigs hat seine IT-Administration teilweise oder sogar komplett an externe Dienstleister ausgelagert. Nur etwa jedes fünfte Unternehmen verlässt sich bei Administration und IT-Sicherheit ausschließlich auf sein eigenes Know-How.
Viele wissensintensive Dienstleister setzen in Fragen der IT-Administration auf Outsourcing. In den Branchen technische Beratung und Planung sowie Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung haben etwa 80% der Unternehmen ihre IT-Administration teilweise oder komplett ausgelagert.
Bei den Unternehmensberatern beträgt dieser Anteil etwa 50%. In der Branche EDV-Dienstleistung und -Vermietung, deren eigene Geschäftstätigkeit unter anderem das Vermarkten von Know-How im Bereich IT-Administration umfasst, ist der Anteil der Unternehmen, die Aufgaben der IT-Administration und IT-Sicherheit ausschließlich mit eigenem Personal bewältigen, am höchsten.
Von den Telekommunikationsdienstleistern lassen sich etwa 90% von externer Seite beraten. Das Outsourcing von IT-Administration spielt in dieser Branche hingegen keine Rolle.
Der Anteil der Ausgaben für IT-Sicherheit liegt bei der Mehrzahl der Dienstleister der Informationsgesellschaft zwischen einem und fünf Prozent am gesamten IT-Budget. Etwa ein Viertel der Unternehmen gibt zwischen sechs und zehn Prozent des IT-Budgets für IT-Sicherheit aus. Bei sieben Prozent der Unternehmen liegt der Anteil für IT-Sicherheit bei mehr als zehn Prozent. Knapp 20% der Unternehmen konnten den Anteil nicht beziffern.
Der komplette Branchenreport mit Grafiken steht rechts oben zum Download für Sie zur Verfügung.
Zusatzinformation zum ZEW-IDI:
Der ZEW-IDI wird aus den vier Komponenten Umsatzlage, Nachfragelage, Umsatzerwartungen und Nachfrageerwartungen (jeweils im Vergleich zum vorhergehenden beziehungsweise nachfolgenden Quartal) gebildet. Sie gehen jeweils mit gleichen Gewichten in die Berechnung ein. Umsatzlage und Nachfragelage bilden einen Teilindikator, der die Geschäftslage widerspiegelt. Umsatzerwartungen und Nachfrageerwartungen bilden einen Teilindikator, der die Geschäftserwartungen widerspiegelt. Das geometrische Mittel der Geschäftslage und der Geschäftserwartungen ergibt den Wert des ZEW-Indikators der Dienstleister der Informationsgesellschaft. Der Stimmungsindikator kann Werte von 0 bis 100 annehmen. Werte größer als 50 weisen auf eine Verbesserung der konjunkturellen Stimmung im Vergleich zum Vorquartal hin, Werte kleiner als 50 auf eine Verschlechterung im Vergleich zum Vorquartal.
Ausführliche Informationen zur Entwicklung und Berechnung des ZEW-IDI finden Sie auf der Homepage des ZEW.