Dienstleister der Informationsgesellschaft: Konjunkturelle Stabilisierung auf hohem Niveau führt erstmals zu positiven Beschäftigungseffekten
Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Verband der Vereine Creditreform haben im November und Dezember 2005 eine Konjunkturumfrage bei den Dienstleistern der Informationsgesellschaft durchgeführt. Daran waren rund 1.000 Unternehmen beteiligt.
Der Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft setzt sich zusammen aus Informations- und Kommunikationstechnologie- (IKT) Dienstleistern (Unternehmen der Branchen EDV-Dienste und -Vermietung, IKT-Fachhandel sowie Telekommunikationsdienste) und wissensintensiven Dienstleistern (Unternehmen der Branchen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architekturbüros, technische Beratung und Planung, Forschung und Entwicklung sowie Werbung).
Die Ergebnisse im Überblick:
Die Dienstleister der Informationsgesellschaft haben das Jahr 2005 mit einer günstigen Geschäftsentwicklung abgeschlossen und erstmals sind auch positive Effekte für den Arbeitsmarkt zu beobachten.
Beide Teilindikatoren des ZEW-IDI - die Beurteilung der Geschäftslage und die Beurteilung der Geschäftserwartungen - haben im vierten Quartal 2005 einen Wert von jeweils 70,7 Punkten erreicht. Damit hat der Teilindikator für die Geschäftserwartungen erstmals seit der Berechnung des ZEW-IDI keinen höheren Wert als der Indikator, der die Bewertung der aktuellen Lage wiedergibt.
Aufgrund des hohen Niveaus auf dem sich die Indikatoren befinden, ist dies jedoch nicht als Anzeichen einer weniger dynamischen Geschäftsentwicklung im Jahr 2006 zu werten. Vielmehr deuten die Indikatoren auf eine Stabilisierung der positiven Konjunktur im Wirtschaftszweig hin.
Die Dienstleister der Informationsgesellschaft haben ihre aktuelle Geschäftslage im vierten Quartal 2005 das dritte Mal in Folge positiver bewertet als im Vorquartal. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen berichten von einem Anstieg der Nachfrage und höheren Umsätzen. Im Vergleich zum dritten Quartal 2005 hat der Preisdruck leicht nachgelassen. Allerdings überwiegt nach wie vor der Anteil der Unternehmen, die von Preissenkungen berichten, den Anteil der Unternehmen, die eine Preiserhöhung vorgenommen haben.
Die Lage der ostdeutschen Dienstleister der Informationsgesellschaft hat sich im vierten Quartal im Vergleich zu den vorangegangenen Quartalen deutlich verbessert. Zum ersten Mal seit dem vierten Quartal 2003 sind die Salden der positiven und negativen Umsatz-, Ertrags- und Nachfrageveränderungen bei den ostdeutschen Dienstleistern alle positiv.
Etwa ein Drittel der ostdeutschen Unternehmen konnte im vierten Quartal 2005 ein Umsatzplus gegenüber dem Vorquartal erzielen. Mehr als 30% gehen von Umsatzsteigerungen im ersten Quartal 2006 aus. Etwa die Hälfte der Unternehmen erwartet im ersten Quartal 2006 zumindest das Umsatzniveau des Schlussquartals 2005 zu halten.
Wie im dritten gehören auch im vierten Quartal 2005 die Telekommunikationsdienstleister sowie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer zu den konjunkturellen Zugpferden dieses Wirtschaftszweiges. In beiden Branchen vermelden jeweils mehr als zwei Drittel der Unternehmen eine im Vergleich zum dritten Quartal 2005 gestiegene Nachfrage sowie die höchste Umsatzsteigerung im Vergleich zu den anderen Unternehmen.
Durch die momentane Belebung am Bau, die auch durch die bevorstehende Abschaffung der Eigenheimzulage gefördert wird, haben die Architekten auch im vierten Quartal 2005 eine positive Geschäftsentwicklung erlebt und knapp die Hälfte hat einen höheren Umsatz als im Vorquartal erzielt. Allerdings erwarten sie, dass die Nachfrage nach ihren Leistungen in den Wintermonaten stark sinken wird.
Im vierten Quartal können auch die Werbeagenturen auf ein versöhnliches Schlussquartal zurückblicken. Mehr als die Hälfte der Werbeagenturen konnte den Umsatz im vierten Quartal 2005 im Vergleich zum Vorquartal steigern, was sich allerdings nicht positiv auf die Ertragssituation ausgewirkt hat. Doch mehr als Hälfte sind optimistisch, dass sie im ersten Quartal 2006 höhere Umsätze erzielen werden.
Im IKT-Handel erreicht der Saldo aus positiver und negativer Umsatzentwicklung im vierten Quartal 2005 erstmals wieder das Niveau des zweiten Quartals 2004. Die Unternehmen dieser Branche geben sich auch sehr optimistisch, was die Entwicklung von Umsatz, Ertrag und Nachfrage im ersten Quartal betrifft. So rechnen mehr Unternehmen dieser Branche mit steigenden als mit fallenden Preisen.
Die seit einem Jahr anhaltende konjunkturelle Belebung im Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft hat im vierten Quartal 2005 erstmals auch positive Effekte für den Arbeitsmarkt. Im Branchendurchschnitt haben im Schlussquartal 2005 mehr Unternehmen Personal eingestellt als die Zahl ihrer Beschäftigten verringert.
Im Jahr 2005 hat der Einfluss von Nachfrageschwankungen im Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft im Vergleich zum Vorjahr nachgelassen. Im Branchendurchschnitt geben etwa 40% der Unternehmen an, dass die Nachfrageschwankungen im Jahr 2005 stark bis sehr stark ausgeprägt waren.
Am höchsten ist in 2005 der Anteil der Unternehmen, die angeben, dass die eigene Nachfrage von starken bis sehr starken Schwankungen geprägt war, in der Werbebranche (etwa 65%). Am geringsten ist dieser Anteil bei den Kommunikationsdienstleistern (ca. 2%).
Die konjunkturellen Einflüsse auf die Nachfrage waren auch im Jahr 2005 in allen Branchen des Wirtschaftszweigs von höherer Bedeutung als die saisonalen Einflüsse. Am stärksten unterliegen der IKT-Handel, die technische Beratung und Planung sowie die Werbung konjunkturellen Nachfrageschwankungen.
Bei den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern ist dagegen der Einfluss saisonaler Faktoren auf die Nachfrage besonders ausgeprägt. Ebenfalls stark bis sehr stark von saisonalen Einflüssen betroffen sind der IKT-Handel, Architekten und die Werber. Bei den Telekommunikationsdienstleistern, in Forschung und Entwicklung sowie bei Unternehmensberatern spielen saisonale Nachfrageschwankungen hingegen so gut wie keine Rolle.
Um auf Schwankungen in der Nachfrage zu reagieren, nutzen die Dienstleister der Informationsgesellschaft verschiedene organisatorische Maßnahmen zur kurzfristigen Ausweitung oder Verringerung ihrer Betriebskapazitäten. Beliebteste Möglichkeit dafür sind, wie schon in 2004, Überstunden und/oder Kurzarbeit. Etwa 45% der Unternehmen geben an, diese Maßnahme häufig bis sehr häufig zu nutzen.
Überstunden bzw. Kurzarbeit sind hierbei am meisten in den Branchen Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung, Telekommunikationsdienstleistungen sowie technische Beratung und Planung verbreitet.
Um auf Nachfrageschwankungen flexibel zu reagieren landet auf Platz zwei der Rangliste die Vergabe befristeter Arbeitsverträge. Ähnlich beliebt sind Unteraufträge an Drittfirmen sowie die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter, um diese flexibler einsetzen zu können.
Während in 2004 noch ca. 30% der Unternehmen Personalentlassungen häufig bis sehr häufig zur Anpassung der Nachfrage an die Betriebskapazität einsetzten, ging diese Zahl in 2005 auf 20% zurück. Der Anteil der Unternehmen, die angeben, häufiger auf Neueinstellungen zu setzen, ist zwischen 2004 und 2005 von etwa 16% auf 25% gestiegen.
Der komplette Branchenreport mit Grafiken steht rechts oben zum Download für Sie zur Verfügung.
Zusatzinformation zum ZEW-IDI:
Der ZEW-IDI wird aus den vier Komponenten Umsatzlage, Nachfragelage, Umsatzerwartungen und Nachfrageerwartungen (jeweils im Vergleich zum vorhergehenden beziehungsweise nachfolgenden Quartal) gebildet. Sie gehen jeweils mit gleichen Gewichten in die Berechnung ein. Umsatzlage und Nachfragelage bilden einen Teilindikator, der die Geschäftslage widerspiegelt. Umsatzerwartungen und Nachfrageerwartungen bilden einen Teilindikator, der die Geschäftserwartungen widerspiegelt. Das geometrische Mittel der Geschäftslage und der Geschäftserwartungen ergibt den Wert des ZEW-Indikators der Dienstleister der Informationsgesellschaft. Der Stimmungsindikator kann Werte von 0 bis 100 annehmen. Werte größer als 50 weisen auf eine Verbesserung der konjunkturellen Stimmung im Vergleich zum Vorquartal hin, Werte kleiner als 50 auf eine Verschlechterung im Vergleich zum Vorquartal.
Ausführliche Informationen zur Entwicklung und Berechnung des ZEW-IDI finden Sie auf der Homepage des ZEW.