Gute Stimmung bei den Dienstleistern der Informationsgesellschaft
Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Verband der Vereine Creditreform haben im Juni und Juli 2005 eine Konjunkturumfrage bei Dienstleistern der Informationsgesellschaft durchgeführt. Daran waren rund 1.000 Unternehmen beteiligt.
Der Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft setzt sich zusammen aus Informations- und Kommunikationstechnologie- (IKT) Dienstleistern (Unternehmen der Branchen EDV-Dienste und -Vermietung, IKT-Fachhandel sowie Telekommunikationsdienste) und wissensintensiven Dienstleistern (Unternehmen der Branchen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architekturbüros, technische Beratung und Planung, Forschung und Entwicklung sowie Werbung).
Die Ergebnisse im Überblick:
Bei den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern ist auch im zweiten Quartal 2005 der Saldo aus positiver und negativer Umsatzentwicklung mit etwa 63% am höchsten. Ebenso melden über die Hälfte der Unternehmensberater und Unternehmen aus Forschung & Entwicklung im zweiten Quartal gestiegene Umsätze.
Diese drei Branchen verzeichneten als einzige einen positiven Saldo bei der Ertragsentwicklung im zweiten Quartal. Zudem sind sie die wenigen, die Personal eingestellt haben, statt zu entlassen. Daher melden auch nur diese Drei positive Erwartungen für das dritte Quartal.
Einzig bei den Telekommunikationsdienstleistern ist der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen für die Umsatz- und Nachfrageentwicklung im dritten Quartal 2005 höher.
Bei den Architekten haben sich die optimistischen Erwartungen aus dem ersten Quartal dieses Jahres für das zweite Quartal bestätigt. So ist bei der, bisher an letzter Stelle stehenden, Branche der Saldo der Umsatzentwicklung positiv. Ursache dafür ist der saisonale Aufschwung in der Bauwirtschaft. Dennoch haben die Architekten ihren Personalbestand im zweiten Quartal 2005 am stärksten verringert.
Die ehemals konjunkturell stabilsten EDV-Dienstleister litten im vierten Quartal 2004 und im ersten Quartal 2005 an einer schlechten konjunkturellen Entwicklung. Im zweiten Quartal 2005 sind die Salden nun wieder positiv und auch die Erwartungen für die nahe Zukunft sind vorsichtig optimistisch.
Im Branchendurchschnitt hat sich die Arbeitsmarktlage im Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft etwas entspannt. Circa 21% der Unternehmen haben im zweiten Quartal 2005 Personal eingestellt, 24% haben Personal entlassen.
So liegt der Saldo von -3% etwa 13 Punkte über dem Wert des Vorquartals und leicht oberhalb des Niveaus des Vorjahresquartals. Jedoch erwarten die Dienstleister der Informationsgesellschaft nicht, dass die momentane Verbesserung der Arbeitsmarktlage mehr bedeutet als die für das Frühjahr übliche Stabilisierung.
Auch im zweiten Quartal wird die positive Entwicklung im Wirtschaftszweig der Dienstleister der Informationsgesellschaft nur von den westdeutschen Unternehmen getragen. In Ostdeutschland entwickeln sich Umsatz, Nachfrage und Ertrag weiterhin schlecht. Jedoch fallen die Salden weniger negativ aus als im ersten Quartal 2005.
Bei den ostdeutschen Unternehmen hat sich auch der Saldo positiver und negativer Personalentwicklungen im ersten Quartal 2005 leicht verbessert. Dennoch haben bedeutend mehr Unternehmen Personal entlassen als eingestellt. Auch für das dritte Quartal rechnen etwa 34% der ostdeutschen Dienstleister der Informationsgesellschaft mit Personalentlassungen und nur 13% planen Neueinstellungen.
Verbreitung von E-Commerce
Nach Angaben der Dienstleister der Informationsgesellschaft setzen etwa 33% das Internet als Vertriebskanal an den Endkunden ein. Damit hat das sog. Business to Consumer Elektronic Commerce (B2C E-Commerce) im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht nachgelassen.
Im zweiten Quartal 2005 geben etwa 52% über das Internet Bestellungen bei Geschäftspartnern auf. Durchschnittlich werden mit E-Commerce knapp 5% des Umsatzanteils erwirtschaftet.
Zwischen den einzelnen Branchen variiert die Verbreitung von E-Commerce allerdings stark. Am weitesten verbreitet ist B2C E-Commerce bei den Unternehmensberatern (Einsatz bei ¾ aller Unternehmensberater).
Auch in Forschung und Entwicklung (70%), bei den EDV-Dienstleistern und -vermietern (43%) sowie im IKT-Handel (39%) wird E-Commerce häufig genutzt. Werbeagenturen setzen E-Commerce zwar eher selten für den Vertrieb ihrer Dienstleistungen ein, sind aber (mit 73%) führend in der Nutzung des E-Commerce für die Beschaffung von Vorleistungen.
Die wichtigsten Motive für den Einsatz von E-Commerce sind die Beschleunigung der Geschäftsprozesse sowie das Schritthalten mit der Konkurrenz, gefolgt von der Kostensenkung von Geschäftsprozessen und der Erhöhung der Servicequalität.
Mittlerweile wird außerdem die Ausdehnung der Geschäftszeiten als wichtiger eingeschätzt als die Ausweitung des geografischen Absatzmarktes. An siebter Stelle nennen die Dienstleister der Informationsgesellschaft schließlich die Bedeutung für das Image des Unternehmens.
Der komplette Branchenreport steht rechts oben zum Download für Sie zur Verfügung.
Zusatzinformation zum ZEW-IDI:
Der ZEW-IDI wird aus den vier Komponenten Umsatzlage, Nachfragelage, Umsatzerwartungen und Nachfrageerwartungen (jeweils im Vergleich zum vorhergehenden beziehungsweise nachfolgenden Quartal) gebildet. Sie gehen jeweils mit gleichen Gewichten in die Berechnung ein. Umsatzlage und Nachfragelage bilden einen Teilindikator, der die Geschäftslage widerspiegelt. Umsatzerwartungen und Nachfrageerwartungen bilden einen Teilindikator, der die Geschäftserwartungen widerspiegelt. Das geometrische Mittel der Geschäftslage und der Geschäftserwartungen ergibt den Wert des ZEW-Indikators der Dienstleister der Informationsgesellschaft. Der Stimmungsindikator kann Werte von 0 bis 100 annehmen. Werte größer als 50 weisen auf eine Verbesserung der konjunkturellen Stimmung im Vergleich zum Vorquartal hin, Werte kleiner als 50 auf eine Verschlechterung im Vergleich zum Vorquartal.
Ausführliche Informationen zur Entwicklung und Berechnung des ZEW-IDI finden Sie auf der Homepage des ZEW.