Sachsens Wirtschaft hat schlechtere Laune
Kalter Winter, weniger Geschäfte - viele Firmenchefs sehen ihre Lage pessimistischer. Nur auf dem Bau ist man hoffnungsfroh.
Das Ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands hat sich im Januar das dritte Mal nacheinander verbessert. Die Klimaindikatoren für die ostdeutschen Bundesländer, insbesondere Sachsen, sind hingegen deutlich gefallen. Das liegt vor allem daran, dass die befragten Unternehmen in Sachsen ihre Geschäftssituation derzeit als weniger gut einschätzen. Pessimistischer sind sie auch in ihren Erwartungen an den Geschäftsverlauf für die kommenden sechs Monate.
Industrie macht gute Geschäfte, ist aber misstrauisch
Der Geschäftsklimaindex im Verarbeitenden Gewerbe Sachsens ist zu Jahresbeginn deutlich gefallen. Die momentane Geschäftssituation der Industriefirmen ist aber weiterhin sehr gut, wenngleich sie mit dieser weniger zufrieden sind als im Dezember. Zudem sind die Unternehmen misstrauischer, ob sich ihre Geschäfte im nächsten halben Jahr gut entwickeln. Die Unsicherheit der Firmen hat im Januar zugenommen. Die durchschnittliche Auftragsreichweite liegt mit 3,1 Monaten dennoch unter dem Wert der vorangegangenen Befragung. Ihren Personalbestand wollen die sächsischen Industriefirmen in naher Zukunft nur geringfügig erhöhen.
Schlechtere Geschäfte auf dem Bau, aber Aussichten sind gut
Das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe hat sich im Januar das dritte Mal in Folge verbessert. Während die Baufirmen von einer erheblich schlechteren Geschäftslage berichten, blicken diese deutlich zuversichtlicher in die Zukunft. Von den befragten Unternehmen berichten 61 Prozent von einer Behinderung ihrer Bautätigkeit, wobei Auftragsmangel und Witterungseinflüsse derzeit die Hauptgründe sind. Die durchschnittliche Geräteauslastung ist mit saisonbereinigt 64 Prozent im Januar jedoch deutlich unter den Dezemberwert von 75 Prozent gefallen. Bei der durchschnittlichen Auftragsreichweite zeigt sich hingegen nur eine geringfügige Veränderung.
Handel ist unzufrieden mit der Lage, und es wird nicht besser
In beiden Handelsstufen hat sich das Geschäftsklima zu Jahresbeginn eingetrübt. Sowohl die derzeitige Geschäftslage als auch die Geschäftsentwicklung im nächsten halben Jahr werden durch die Groß- und Einzelhändler schlechter eingeschätzt als im Dezember. Bei den Angaben zur Entwicklung der Umsätze zeigen sich jedoch unterschiedliche Tendenzen. Während die Großhändler von einer Steigerung ihrer Erlöse gegenüber dem Vorjahresmonat berichten, schätzen die Einzelhändler ihre Umsatzsituation schlechter ein. Die Zahl ihrer Mitarbeiter wollen die Firmen des sächsischen Handels in naher Zukunft wieder erhöhen.
Firmengründer hielten sich vergangenes Jahr zurück
Im Jahr 2011 haben sich das kräftige Wirtschaftswachstum und die entsprechend gute Lage am Arbeitsmarkt negativ auf das Gründungsgeschehen in Sachsen ausgewirkt. 2011 gab es 3740 Handelsregisterneueintragungen, nachdem es ein Jahr zuvor noch 3810 Unternehmen gewesen waren, die sich neu in das Handelsregister hatten eintragen lassen. Dies entspricht einem Rückgang um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Robert Lehmann, Konjunkturforscher am Dresdner Standort des Ifo-Instituts, sieht keine Anzeichen für eine Stimmungsaufhellung in der sächsischen Wirtschaft. „Die jüngsten Ergebnisse zeigen, dass die Verbesserung des Barometers im letzten Monat nur ein vorübergehender Anstieg war. Auch zu Jahresbeginn bleibt die Verunsicherung unter den Unternehmen sehr groß. Eine Wende hin zu einer konjunkturell besseren Phase der sächsischen Wirtschaft deutet sich aktuell nicht an", so Lehmann.
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.