Das Sachsenbarometer steigt weiter
Die Industrie legt in diesem Jahr deutlich zu. Bei den Händlern im Freistaat verschlechtert sich dagegen die Stimmung.
Dresden. Der Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist laut Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung im Januar gestiegen - zum zehnten Mal in Folge. Die Werte des Sachsenbarometers tendieren zu Beginn des neuen Jahres ebenfalls nach oben. Die befragten Unternehmer im Freistaat beurteilen vor allem die Aussichten insgesamt optimistischer. Auch bei der Beurteilung der Lage ist ein leichter Anstieg festzustellen.
INDUSTRIE: FABRIKEN ETWAS BESSER AUSGELASTET
Die Umfrageteilnehmer aus dem sächsischen verarbeitenden Gewerbe haben ihre Geschäftslage in den letzten Monaten per saldo zunehmend günstiger beurteilt. Momentan gibt es etwa gleich viele Unternehmer, die ihre Lage mit „gut" und mit „schlecht" beurteilen. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung lag im Januar bei fast 77 Prozent und damit um gut drei Prozentpunkte höher als vor einem Jahr. Gleich um acht Prozentpunkte erhöht hat sich die Auslastung bei den Produzenten vor Vorleistungsgütern - dazu gehören zum Beispiel Metallteile, Chemiefasern und Papier. Der Dresdner Ifo-Konjunkturexperte Gerit Vogt schließt daraus, dass „die Erholung der konjunkturellen Entwicklung weiter voranschreitet". Nach einem Einbruch von rund 15 Prozent im vorigen Jahr dürfte die Bruttowertschöpfung der sächsischen Industrie in diesem Jahr um etwa neun Prozent steigen. Die Bruttowertschöpfung ist der Gesamtwert der neu geschaffenen Produkte und Dienstleistungen, nachdem die Vorleistungen abgezogen wurden.
BAUHAUPTGEWERBE: KLIMA HELLT SICH TROTZ WINTERS AUF
Im Bauhauptgewerbe ist die durchschnittliche Geräteauslastung im Vergleich zum Dezember um rund neun Prozentpunkte zurückgegangen - dabei wurde der übliche Winter- Effekt schon eingerechnet. 73 Prozent der Bauunternehmen berichten über witterungsbedingte Behinderungen der Bautätigkeit. Doch zu den Aussichten äußern sich Sachsens Bauunternehmer alles in allem zuversichtlicher.
HANDEL: DIE MEISTEN RECHNEN MIT HÖHEREN PREISEN
Im sächsischen Großhandel hat sich im Januar das Klima aufgehellt, aber im Einzelhandel eingetrübt. Gegenwärtig rechnen die meisten Unternehmen in beiden Handelsabteilungen damit, dass sich die Verkaufspreise in den nächsten Monaten insgesamt erhöhen werden.
NEUGRÜNDUNGEN: VORIGES JAHR STARKER ZUWACHS
Der Schritt in die Selbstständigkeit ist in der Wirtschaftskrise wieder eine Alternative zu Arbeitslosigkeit und den verschlechterten Beschäftigungsperspektiven. Im vergangenen Jahr ließen sich 3 670 sächsische Firmen neu in das Handelsregister eintragen. Das waren gut elf Prozent oder 370 Unternehmen mehr als im Jahr zuvor. Allerdings sind die Bedingungen für Unternehmensgründer in Sachsen im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht einfacher geworden. Der Zugang zu Fremdkapital ist schwieriger, die Geschäftsrisiken sind höher. Creditreform-Prokurist Thomas Schulz rechnet damit, dass „nicht wenige in absehbarer Zeit wieder von der Bildfläche verschwinden".
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.