Das Sachsenbarometer steigt
- Verbesserte Laune bei Lage und Aussichten
- Auftragsmangel in jedem zweiten Industriebetrieb
- Mehr als 1000 Firmen im ersten Halbjahr pleite
Dresden. Das Tempo der Talfahrt hat sich in Deutschland in den vergangenen Monaten verlangsamt. Darauf deutet zumindest der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung hin. Dieser Index für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im abgelaufenen Monat Juni abermals gestiegen. Auch in Sachsen hat sich das Geschäftsklima zur Jahresmitte leicht aufgehellt. Die vom Ifo-Institut befragten sächsischen Unternehmen haben sowohl ihre derzeitige Lage, als auch die Perspektiven für die nächsten sechs Monaten insgesamt etwas weniger pessimistisch beurteilt.
Der Dresdner Konjunkturexperte Gerit Vogt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ifo-Institut, erkennt aus der Aufhellung des Geschäftsklimas, „dass sich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung allmählich stabilisiert". Doch mit einer konjunkturellen Wende sei erst im ersten Halbjahr 2010 zu rechnen, sagte Vogt.
VERARBEITENDES GEWERBE: PERSPEKTIVE AUFGEHELLT
In den Unternehmen des sächsischen verarbeitenden Gewerbes hat sich die allgemeine Skepsis in Hinblick auf die Geschäftsaussichten seit Jahresbeginn mehr und mehr vermindert. Den jüngsten Umfrageergebnissen zufolge dürfte sich der Rückgang im Exportgeschäft in den nächsten Monaten merklich abschwächen. Allerdings wird die aktuelle Auftragslage noch immer von per saldo rund jedem zweiten Unternehmen mit „zu klein" beurteilt. Dementsprechend sind auch die Beschäftigungspläne weiterhin mehrheitlich auf eine Personalreduzierung ausgerichtet.
BAUHAUPTGEWERBE: WENIGER FIRMEN MIT AUFTRAGSMANGEL
Die Befragungsteilnehmer aus dem sächsischen Bauhauptgewerbe haben ihre Geschäftslage im Juni insgesamt ähnlich verhalten wie im Monat zuvor beurteilt. Der Anteil der Unternehmen, der über einen Auftragsmangel berichtet, hat sich jedoch vermindert: Dieser lag jüngst im Hochbau bei 43 und im Tiefbau bei 15 Prozent. Dem weiteren Geschäftsverlauf blickten die Baufirmen zuletzt - entgegen dem allgemeinen Trend - etwas skeptischer entgegen.
HANDEL: SCHWACHE UMSATZENTWICKLUNG
Im sächsischen Handel tendiert das Geschäftsklima weiter leicht nach oben. Den Meldungen zufolge hat sich die Umsatzlage im Einzelhandel jüngst etwas verbessert, im Großhandel dagegen leicht verschlechtert. Im ersten Quartal ist der Umsatz nach neusten Angaben der amtlichen Statistik allerdings in beiden Handelsstufen nominal zurückgegangen. Lediglich im Kraftfahrzeughandel konnte - offenbar begünstigt von der staatlichen Umweltprämie - ein Zuwachs von gut zwei Prozent erzielt werden.
FIRMENINSOLVENZEN: ANSTIEG UM 15 PROZENT
Die schwere Wirtschaftskrise zwingt immer mehr sächsische Unternehmen zur Aufgabe. Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2009 mussten 1 050 Firmen einen Insolvenzantrag stellen. Im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum mit 910 Fällen entspricht das einem Zuwachs um gut 15 Prozent. Finanzierungs- und Liquiditätsengpässe, gepaart mit der sehr schlechten Auftragslage vieler Unternehmen, dürften die Insolvenzspirale im Freistaat auch in den kommenden Monaten in Bewegung halten. Thomas Schulz, Prokurist der Auskunftei Creditreform Dresden, rechnet „bis zum Jahresende mit einer weiteren Zunahme der Insolvenzzahlen".
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.