Nächstes Jahr Abkühlung statt Aufschwung in Sachsen
- Wirtschaft wächst 2009 nur noch um 1,4 Prozent
- so gut wie kein Aufholen zu den alten Bundesländern
- neue Stellen: dieses Jahr 18 000, nächstes Jahr 10 000
Dresden. Der Aufschwung geht dem Ende entgegen. Nächstes Jahr wird Sachsen eine „deutliche Konjunkturabkühlung erleben", sagte gestern in Dresden der Ökonom Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Schon in diesem Jahr wächst die Wirtschaft Sachsens nicht ganz so kräftig, wie die Forscher bisher vorhergesagt hatten. Statt 2,5 Prozent sind nun 2,1 Prozent Wirtschaftswachstum für Sachsen in diesem Jahr angekündigt. Das ist geringer als das gesamtdeutsche Wirtschaftswachstum mit 2,4 Prozent.
Der nächste Aufschwung ist nicht vorherzusagen
Im kommenden Jahr schafft Sachsens Wirtschaft nur noch 1,4 Prozent Wachstum, sagt Ragnitz. In eine weitere Zukunft wagt er sich nicht vor. Wann die Konjunktur wieder aufwärts geht, hängt von zu vielen Faktoren ab: Nachfrage aus dem Ausland und Ölpreis sind kaum vorherzusagen. Ragnitz sieht Sachsens Industrie aber grundsätzlich „gut positioniert", mit den richtigen Spezialitäten.
Automobilbau, Technik für erneuerbare Energien und Chemie wachsen weiter. Ein Vorteil können dabei die Kontakte nach Osteuropa sein: „Dort wird in die Modernisierung der Fabriken investiert", sagt der Dresdner Forscher. Davon profitieren zum Beispiel Maschinenbauer, auch wenn sie aus dem Inland weniger Aufträge bekommen.
Der Westen hatte mehr von der guten Konjunktur
Der Aufschwung der vergangenen Jahre hat neue Arbeitsplätze geschaffen, allerdings in den alten Ländern prozentual mehr. Voriges Jahr kamen in Sachsen fast 33 000 Stellen dazu. Dieses Jahr sind es laut Ifo-Prognose noch einmal fast 18 000, nächstes Jahr 10 000. Der Abstand zwischen der Wirtschaft in Ost und in West beträgt laut Ragnitz etwa 30 Prozent, zum Beispiel gemessen an der Wirtschaftsleistung pro Einwohner.
Der Aufholprozess „geht voran, aber ganz, ganz langsam", sagt Ragnitz. Er könne nicht seriös sagen, wann es zum Gleichstand kommen könnte. Städte wie Dresden, Jena und Potsdam seien „Wachstumspole" im Osten, ländliche Regionen könnten kaum aufholen - aber der Bayerische Wald und Ostfriesland lägen auch nicht auf Großstadtniveau. Ragnitz riet, in Ausbildung und Forschung zu investieren - so steht es auch in den jüngsten Positionspapieren von CDU sowie SPD über die neuen Bundesländer.
Industrie und Bau spüren schwächere Nachfrage
Sachsens Industrie spürt schon eine schrumpfende Nachfrage. Das ergab die Ifo-Umfrage für das Sachsenbarometer, den monatlichen Konjunktur-Index. Demnach verliert auch der Export in den nächsten Monaten an Dynamik. Im Bauhauptgewerbe sprechen mehr Unternehmer von „schlechter" Geschäftslage. Im Hochbau sind die Geräte zu 82 Prozent ausgelastet, im Tiefbau zu 71 Prozent.
Ragnitz erwartet, dass die Baubranche dieses Jahr leicht wächst, im kommenden Jahr aber wieder schrumpft - sie habe immer noch Überkapazitäten. Auch im öffentlichen Dienst werden weiter Stellen gestrichen. Im Handel gibt es Lichtblicke: Die befragten Firmen, darunter Autohändler, beurteilen ihre Lage etwas günstiger als bisher.
www.ifo.de
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.