Sachsens Wirtschaft in Topform
Alle Bereiche freuen sich über gute Konjunktur - und viele Firmen stärken ihre Substanz.
Im Vormonat hat der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands noch geschwächelt. Kommt jetzt schon der Abschwung?, haben da viele Pessimisten schon gefragt. Nein. Denn wie in Gesamtdeutschland ist auch in der sächsischen Wirtschaft das Klima wieder viel besser. Und das gilt sowohl für die Unternehmen im Handel als auch für Bauhaupt- und verarbeitendes Gewerbe.
Bessere Preise im verarbeitenden Gewerbe
Das verarbeitende Gewerbe beurteilt die Geschäftslage ähnlich positiv wie im April: Die Verkaufspreise dürften in den letzten Monaten vielfach erhöht worden sein - das sorgt für mehr Zuversicht. Gegenwärtig halten sich die Meldungen von Unternehmen, die eine Verbesserung der Geschäftslage erwarten, und die Meldungen von Unternehmen, die mit einer Verschlechterung rechnen, in etwa die Waage.
Der Aufschwung im Bau dauert weiter an
Das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe Sachsens hat sich dagegen im Mai erneut verbessert. Im Vergleich zum April ist der Anteil der Unternehmen, der über einen Auftragsmangel berichtet, von 58 auf 38 Prozent zurückgegangen. Ifo-Forscher Gerit Vogt warnt allerdings vor zu viel Euphorie: „Die jüngste Klimaverbesserung im Baugewerbe ist angesichts der immer noch bestehenden Überkapazitäten eher ein Zwischenhoch als eine Trendwende."
Der Handel freut sich über viele neue Kunden
Die ungebrochen starke Nachfrage aus vielen Firmen führt aber offenbar dazu, dass der Großhandelsumsatz im Vergleich zum Vorjahr merklich zugenommen haben dürfte. Und auch im Einzelhandel wurde vergleichsweise häufig über einen Umsatzanstieg berichtet. Die Einzelhandelsfirmen haben ihre Geschäftslage zum ersten Mal seit April 2007 wieder mehrheitlich mit „gut" bewertet. Die Menschen kaufen also wieder mehr ein.
Der Mittelstand hat deutlich mehr Kapital
Die gute Lage führt dazu, dass Sachsens Unternehmer jetzt auch wieder mehr in die Verbesserung ihrer Substanz investieren können. Die Zahl der Betriebe, die über eine dicke Eigenkapitaldecke von mehr als 30 Prozent verfügen, verdoppelte sich im Jahresverlauf. Mehr als jeder vierte Betrieb ist inzwischen ausreichend kapitalisiert. Thomas Schulz von Creditreform hält das für besonders wichtig: „Gelingt der dauerhafte Aufbau von Eigenkapital, können Sachsens Betriebe auch in der sehr wahrscheinlich bevorstehenden abflauenden Konjunktur weitersegeln."
Auch die Zahlungsmoral verbessert sich: Beklagte im vergangenen Frühjahr noch jeder fünfte Betrieb in Sachsen den endgültigen Verlust von Forderungen, so sind es zurzeit nur noch fünf Prozent. Eine solide Basis für weiteres Wachstum.
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.