Sachsens Wirtschaft lässt sich vom US-Virus nicht anstecken
In den USA droht eine Rezession. Die Bankenkrise nimmt kein Ende. Die sächsischen Unternehmer sind davon unbeeindruckt.
Dresden. Von wegen Finanzkrise: Wie zum Trotz ist der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands im März zum dritten Mal in Folge gestiegen. In der sächsischen Wirtschaft hat sich das Geschäftsklima jüngst ebenfalls verbessert. Die befragten Unternehmen beurteilen ihre Lage deutlich günstiger als im Februar. Thomas Schulz, Prokurist bei der Creditreform Dresden Aumüller KG: „Trotz aller Hiobsbotschaften, wie etwa sinkende Reallöhne und die nicht enden wollende Kreditkrise, zeigen sich die Firmen in Sachsen erstaunlich robust und optimistisch. Insbesondere die weitere Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ist erfreulich."
Verarbeitendes Gewerbe: Bessere Nachfrage
Im verarbeitenden Gewerbe Sachsens dürfte sich die allgemeine Nachfragesituation - nach einer Flaute zu Jahresbeginn - wieder gebessert haben. Die Geschäftslage wurde im März per saldo von jedem dritten Umfrageteilnehmer mit „gut" beurteilt. Den Angaben zufolge beabsichtigen die Unternehmen weiterhin mehrheitlich ihren Beschäftigungsbestand zu erhöhen. Es ist daher davon auszugehen, dass sich der bereits seit zwei Jahren feststellbare Arbeitsplatzaufbau in Zukunft fortsetzen wird.
Bauhauptgewerbe: Auftragsmangel
Die Unternehmen im Bauhauptgewerbe beurteilen ihre Geschäftslage ähnlich verhalten wie im vergangenen Februar. Der Auftragsbestand wurde abermals häufiger mit „zu klein" bewertet. Die durchschnittliche Reichweite der Auftragsbestände nahm innerhalb eines Monats von knapp drei auf rund zwei Monate ab. In den Angaben zu den Aussichten für das nächste halbe Jahr hat sich die Skepsis aber etwas vermindert.
Groß- und Einzelhandel: Lage etwas günstiger
Im Handel wird die Lage seit Jahresbeginn zunehmend günstiger beurteilt. Nach einem ausgesprochen schwachen Vorjahr - der Einzelhandel musste Umsatzeinbußen von gut vier Prozent hinnehmen und auch in den konsumnahen Großhandelssparten waren Rückgänge zu verzeichnen - zeigte sich zuletzt auch in den Meldungen zur Umsatzentwicklung eine Tendenz zur Stabilisierung. Die Perspektiven haben sich aufgehellt. Der Volkswirtschaftler Gerit Vogt forscht im Bereich Konjunktur und Wachstum am Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in Dresden. Er meint: „Die Umfrageresultate im Handel lassen hoffen, dass - begünstigt durch die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt und gestiegene Effektivverdienste - eine allmähliche Belebung der Konsumgüternachfrage eintreten wird."
Dienstleister für Firmen: Gedämpfte Aussichten
Bei den unternehmensnahen Dienstleistungsbetrieben wird die derzeitige Lage deutlich verhaltener beurteilt als noch 2007. Die Angaben zur Ertragslage etwa brachen um die Hälfte ein. Auch die Umsatz- und Ertragsaussichten für die kommenden sechs Monate sind weniger optimistisch als noch vor einem Jahr. Hoffnungsschimmer sind allerdings die Personalplanungen und die Investitionsneigung: Ein Viertel der Dienstleister plant, seinen Personalbestand aufzustocken, und stolze 60 Prozent wollen Investitionen tätigen. (SZ)
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.