Die Euphorie hält an
Konjunktur. In Sachsens Wirtschaft erwacht der Frühling. Das Barometer steigt langsamer weiter.
Dresden. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im April zum fünften Mal in Folge gestiegen. Der Klimaindikator für die sächsische Wirtschaft ist hingegen etwas zurückgegangen. Er befindet sich jedoch weiterhin deutlich über seinem langjährigen Durchschnitt.
Gesamtlage
Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen doppelt so viele Unternehmen wie noch im letzten Jahr mit sehr gut oder gut: Waren es im letzten Frühjahr lediglich 20,4 Prozent der Befragten, die ihrer Geschäftslage gute Noten verteilten, sind es aktuell 40 Prozent. Mit mangelhaft, beziehungsweise ungenügend urteilen nur noch 15,7 Prozent der Betriebe. Vor einem Jahr waren es noch 31,4 Prozent.
Umsatz
Auch die Angaben zur Umsatzsituation weisen deutliche Verbesserungen auf: Aktuell verweisen 17,9 Prozent der Unternehmer auf gestiegene Umsätze - im Frühjahr 2005 waren es nur 8,8 Prozent. Umsatzeinbußen mussten 37,9 Prozent hinnehmen - im Vergleich zu den Angaben vom vergangenen Jahr entspricht das einem Rückgang um 16,8 Prozentpunkte. Fast ebenso deutlich positiv wie die Angaben zur aktuellen Situation haben sich nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform die Zukunftsaussichten der Mittelständler entwickelt: Hofften im Frühjahr 2005 ganze 15,3 Prozent der Befragten auf Umsatzsteigerung in den kommenden sechs Monaten, sind es aktuell 27,9 Prozent. Umsatzeinbußen befürchten dagegen nur noch 24,3 Prozent der Unternehmen. Vor einem Jahr waren es 35 Prozent. Der Saldo der Umsatzerwartungen schnellte damit von minus 19,7 Prozent im letzten Frühjahr auf jetzt 3,6 Prozent nach oben.
Personalbestand
Auf den Personalbestand haben sich die guten Bewertungen der konjunkturellen Situation hingegen noch nicht voll durchgeschlagen. Zwar sank der Anteil an Betrieben, die ihren Personalbestand verkleinern mussten, deutlich um 19,5 Prozentpunkte auf 24,3 Prozent. Leicht gesunken ist jedoch auch der Anteil der Unternehmen, die ihre Belegschaft aufstocken und mehr Mitarbeiter einstellen konnten: von 16,1 Prozent im Frühjahr 2005 auf jetzt 15,7 Prozent.
Investitionen
Auch die Investitionsneigung zeigt keine Verbesserungen an: Wollten im letzten Frühjahr noch 44,5 Prozent der sächsischen Betriebe Investitionen vornehmen, sind es aktuell nur noch 42,1 Prozent.
Handel
Die Großhandelsfirmen beurteilten ihre Geschäftslage ähnlich positiv wie im Vormonat. Bei tendenziell steigenden Verkaufspreisen dürfte der Umsatz nochmals zugenommen haben. Die Einzelhandelsfirmen bewerteten ihre Umsatzlage in der letzten Zeit weit besser als vor Jahresfrist. Im April wurden zudem die Geschäftsaussichten so gut beurteilt wie seit Anfang 1994 nicht.
Industrie
Im verarbeitenden Gewerbe hat sich die Geschäftslage erneut verbessert. Die durchschnittliche Geräteauslastung ist im Vergleich zum Vorjahr von 80 auf 84 Prozent gestiegen. Eine besonders hohe Auslastung wurde von den Firmen des Investitionsgüter produzierenden Gewerbes gemeldet (89 Prozent). Die in- und ausländische Nachfrage nach Investitionsgütern dürfte im April nochmals zugenommen haben. Der Optimismus hat laut Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung jedoch etwas nachgelassen.
Bau
Zum Ende der Winterpause ist die durchschnittliche Geräteauslastung im Bauhauptgewerbe kräftig gestiegen. Sie liegt jetzt bei 67 Prozent. Da sich die Auftragslage in den letzten Monaten offenbar kontinuierlich verbessert hat, ist nur noch vereinzelt ein weiterer Stellenabbau geplant. Das positive Gesamtbild wird allerdings auch hier von den Meldungen zu den Perspektiven getrübt. Im Vergleich zum Vormonat wurden sie insgesamt deutlich verhaltener bewertet.
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.