Leichte Herbstdepression
Sachsenbarometer. Die Lage im Bau ist schlecht, doch die Zuversicht wächst. In der Industrie ist es umgekehrt. Für den ganzen Mittelstand ist die Finanzsituation schwierig.
Dresden. Nach zwei kräftigen Anstiegen in den Vormonaten ist der Ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands im November leicht gefallen. Das sächsische Geschäftsklima hat sich hingegen nach dem Rückgang im Vormonat wieder geringfügig verbessert.
Industrie: Zuversicht sinkt
Im sächsischen verarbeitenden Gewerbe setzte sich die positive Einschätzung der aktuellen Geschäftslage fort. Für die kommenden sechs Monate erwarten die befragten Unternehmen aber eher eine Verschlechterung. Der Auftragsbestand hat sich im Oktober nicht für alle Unternehmen ähnlich gut entwickelt. Deutliche Rückgänge meldeten Unternehmen im Stahl- und Leichtmetallbau und der chemischen Industrie, während die Elektrotechnik tendenziell mehr Aufträge erhielt. Die Exporterwartungen blieben stabil.
Bau: Lage weiter schwierig
Das Geschäftsklima im sächsischen Bauhauptgewerbe hat sich wieder etwas aufgehellt. Die Bautätigkeit ist allerdings insgesamt stärker gesunken als im Oktober. Vor allem im Hochbau behinderte der sich fortsetzende Auftragsmangel die Bautätigkeit. Die durchschnittliche Dauer, wie lange die Aufträge reichen, hat sich leicht auf zwei Monate erhöht. Die Geräteauslastung ist im Tiefbau auf 74,5 Prozent gestiegen, während sie im Hochbau fast unverändert bei 64,2 Prozent blieb.
Großhandel: optimistisch
Im Großhandel hat sich das Geschäftsklima eingetrübt. Der Grund dafür ist die schlechtere Lagebeurteilung. Für die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten ist hingegen der Optimismus weiter gestiegen.
Einzelhandel mit Einbußen
Die Einzelhändler in Sachsen beurteilten die Geschäftsaussichten für das kommende halbe Jahr dagegen pessimistischer und schätzten auch ihre aktuelle Lage schlechter ein. Die befragten Firmen beklagten insbesondere einen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr.
Bange Finanzsituation
Beunruhigender ist jedoch, dass sich die finanzielle Situation im sächsischen Mittelstand deutlich eingetrübt hat. Während sich bei der Eigenkapitalsituation die Schere öffnet und die Bewertungen auseinander fallen, sind die hohen Forderungsverluste der befragten Betriebe stark gestiegen. Parallel zu dieser Entwicklung trübten sich auch die Ertragserwartungen deutlich ein.
Zu wenig Eigenkapital
Die Eigenkapitalsituation im sächsischen Mittelstand ist wie auch schon im vergangenen Jahr zwiegespalten. Erfreulich ist auf der einen Seite, dass die Zahl der unterkapitalisierten Betriebe - all jene Firmen, die weniger als zehn Prozent haftendes Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme haben - deutlich abgenommen hat, und zwar von 54,9 Prozent im letzten Herbst auf aktuell 24,4 Prozent. Auf der anderen Seite nahm aber auch die Zahl der ausreichend mit Eigenkapital versorgten Unternehmen, das heißt mit mehr als 30 Prozent im Verhältnis zur Bilanzsumme, von 15,0 Prozent im Herbst 2004 auf jetzt 13,0 Prozent ab. Zum Vergleich: In Gesamtdeutschland sind 22,2 Prozent (Vorjahr: 19,9 Prozent) der Unternehmen ausreichend mit Eigenkapital versorgt, und 36,6 Prozent haben weniger als zehn Prozent zur Verfügung (Vorjahr: 36,0 Prozent).
Forderungsverluste
14,5 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Sachsen hatten im vergangenen Jahr keine Forderungsverluste zu erleiden (Vorjahr: 14,3 Prozent). Kritisch für die Finanzierungsbasis eines Unternehmens wird es, wenn die Forderungsverluste mehr als ein Prozent vom Umsatz ausmachen. Auf 40,5 Prozent der Befragten traf dies in diesem Herbst zu. Das entspricht einer Steigerung von 29,2 Prozentpunkten im Jahresverlauf.
Schlechte Erwartungen
Auch die Ertragserwartungen für die kommenden sechs Monate sind deutlich schlechter als im vergangenen Jahr: Hoffte im Herbst 2004 noch knapp jeder fünfte Betrieb in Sachsen, seine Ertragslage verbessern zu können (19,5 Prozent), sind es im Herbst 2005 nur noch 16,8 Prozent der Befragten. Dagegen stehen aktuell 58,8 Prozent der Unternehmen, die mit rückläufigen Erträgen rechnen. Vor einem Jahr waren es lediglich 39,1 Prozent. Die Einschätzungen der sächsischen Mittelständler liegen damit deutlich unter dem gesamtdeutschen Schnitt: Insgesamt hofft jedes vierte Unternehmen in Deutschland auf steigende Erträge (24,6 Prozent; Vorjahr: 23,8 Prozent). Und 35,7 Prozent rechnen mit sinkenden Gewinnen – im Vorjahr waren es noch 36,5 Prozent.
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.