Sächsische Wirtschaft bleibt skeptisch
Sachsenbarometer. Das Geschäftsklima geht im Freistaat und in Deutschland mal wieder getrennte Wege.
Dresden. Im Juli ist der Ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands deutlich gestiegen. In Sachsen wurde diese positive Einschätzung aber nicht geteilt. Viele befragte Unternehmen beurteilten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Perspektiven schlechter als im Vormonat.
Industrie
Das Geschäftsklima in der sächsischen Industrie hat sich erneut leicht verbessert. Erstmals seit fast einem Jahr erwarteten die befragten Unternehmen in den nächsten Monaten keine Verschlechterung ihrer Situation. Vor allem die chemische Industrie und die Unternehmen der Druckerei- und Vervielfältigungsbranche schauten optimistisch in die Zukunft. Wie im Vormonat erwarteten die befragten Industrieunternehmen per saldo eine Zunahme ihres Exportgeschäfts. Trotz positiver Einschätzung erwartete die Mehrheit keine Ausweitung der Beschäftigung.
Bauwirtschaft
Im Bauhauptgewerbe stagnierte das Geschäftsklima auf niedrigem Niveau. Mehr als die Hälfte der Unternehmen beurteilte die Reichweite der Auftragsbestände, die einer durchschnittlichen Produktion von 1,9 Monaten entspricht, als zu klein. Vereinzelt wurden auch Finanzierungsschwierigkeiten, Materialknappheit und ungünstige Witterungsverhältnisse beklagt. Die durchschnittliche Geräteauslastung lag mit gut 68 Prozent - etwas über dem Vorjahresniveau. Die zukünftige Entwicklung der Baupreise wurde von den Betrieben weniger pessimistisch eingeschätzt.
Großhandel
Die Stimmung im Großhandel hat sich wieder etwas verschlechtert. Die befragten Unternehmen berichteten aber von gestiegenen Verkaufspreisen und einem tendenziellen Abbau der Lagerbestände. Der erzielte Umsatz entsprach den Meldungen zufolge insgesamt dem
Vorjahresniveau.
Einzelhandel
Im sächsischen Einzelhandel hat sich das Geschäftsklima nach den Verbesserungen der letzten Monate wieder deutlich eingetrübt. Die befragten Unternehmen planten per Saldo eine weitere Einschränkung ihrer Bestelltätigkeiten.
Gründungen/Abmeldungen
Im ersten Halbjahr 2005 wurden in Sachsen 24 000 Gewerbe angemeldet. Das sind 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit ist die Steigerungsrate der Neugründungen in Sachsen mehr als doppelt so hoch wie im ostdeutschen Durchschnitt: In ganz Ostdeutschland stiegen die Gründungen lediglich um drei Prozent auf 92 400.
Allerdings haben sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auch die Gewerbeabmeldungen erhöht: 19 500 Gewerbe wurden in Sachsen aus den Registern gelöscht. Das sind 19,6 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.
Damit ergibt sich für den Freistaat per Saldo ein Überschuss von 4 500. Für ganz Ostdeutschland beträgt dieser Saldo der An- und Abmeldungen 18 400. Den 92 400 Gründungen standen 74 000 Gewerbeabmeldungen gegenüber. Betrachtet man nur die Neueintragungen ins Handelsregister, liegt Sachsen im bundesweiten Vergleich mit 1 862 Neueintragungen
an neunter Stelle. Das ist ein Platz besser als im Vorjahr. Bezieht man die Neueintragungen ins Handelsregister auf die Zahl bereits bestehender Unternehmen, ergibt sich für Sachsen ein Wert von 278 Neueintragungen je 10 000 Unternehmen. Das sind zwar 28 mehr als im Vorjahr, aber immer noch deutlich weniger als der bundesdeutsche Durchschnitt von 379.
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.