Trübe Aussichten: Die Unternehmer im Freistaat geben schlechte Noten für Lage und Stimmung
Dresden. Sachsen macht keine Ausnahme: Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im März gesunken. Beim Klimaindikator für die sächsische Wirtschaft ist ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen. In den Vormonaten hatte sich das Geschäftsklima im Freistaat noch deutlich verbessert. Für die Eintrübung dürfte der nochmals gestiegene Ölpreis maßgeblich sein.
Industrie
Die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe Sachsens beurteilen ihre Geschäftslage insgesamt ähnlich wie vor der Jahresfrist. In den einzelnen Branchen zeigten sich allerdings unterschiedliche Tendenzen. Vom Investitionsgütergewerbe wurden zunehmende Auftragsbestände und eine gestiegene Produktion gemeldet. Im Verbrauchsgüter produzierenden Gewerbe ist die Produktion hingegen offenbar gesunken. Die Perspektiven für das nächste halbe Jahr haben sich insgesamt nur geringfügig verändert.
Bau
In den vergangenen vier Monaten ist der Bau-Klimaindikator kontinuierlich gestiegen. Für die Verbesserung waren die zunehmend optimistischer gewordenen Erwartungen ausschlaggebend - die aktuelle Lage wurde hingegen nur wenig besser beurteilt. Die kühle Witterung führte im März weiterhin zu starken Behinderungen der Bauaktivitäten. Die Perspektiven haben sich aber insbesondere im Tiefbau deutlich aufgehellt. Dies dürfte im Zusammenhang mit der Diskussion über ein neues staatliches Infrastrukturprogramm stehen.
Handel
Die Unternehmen im Großhandel beurteilten sowohl ihre aktuelle Situation als auch die Geschäftsaussichten verhaltener als in den vorigen beiden Monaten. Im Februar lag das Umsatzvolumen offenbar erheblich unter dem Wert vor Jahresfrist. Der Lagerdruck nahm dementsprechend zu. Auch im Einzelhandel wurde häufiger über sinkende Umsätze berichtet. Die Klimaverbesserung, die sich seit Dezember zeigte, hat sich im März nicht fortgesetzt. Die Bestellpläne wurden daher gekürzt.
Handwerk
Auch das sächsische Handwerk präsentiert sich entsprechend der schwierigen Lage in ganz Deutschland. Dies ist das Ergebnis einer eigenständigen Befragung im Freistaat, die von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform organisiert worden ist.
Noch im vorigen Jahr zeichnete sich im sächsischen Handwerk eine Erholung ab - aber in diesem Jahr bestätigen sich diese Anzeichen nicht. Nur noch 21 Prozent der befragten Unternehmen stufen ihre aktuelle Geschäftssituation mit sehr gut und gut ein. Im vergangenen Frühjahr waren es noch 25 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Betriebe, welche ihre derzeitige Geschäftssituation mit ungenügend bewerten, deutlich von zwei auf fünf Prozent. Zwar erhöhte sich die Zahl der Unternehmen, die gestiegene Umsätze vermelden, leicht von 17 auf 18 Prozent. Doch zugleich berichten 40 Prozent von fallenden Umsatzzahlen, gegenüber 32 Prozent vor einem Jahr.
Diesen Zahlen entsprechend hat auch die Investitionsbereitschaft des sächsischen Handwerks abgenommen: Nur noch 47 Prozent der befragten Handwerker planen Investitionen für das laufende Jahr gegenüber 61 Prozent vor zwölf Monaten. Damit einher geht die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Gab im vorigen Jahr noch mehr als jeder fünfte befragte Betrieb an, zusätzlich Personal eingestellt zu haben, waren es in diesem Jahr nur noch elf Prozent. Gleichzeitig verkleinerten 35 Prozent der Betriebe ihren Personalbestand, nach 26 Prozent im vorigen Jahr.
Finanzierung
Positive Entwicklungen im Handwerk gibt es von der Finanzierungsseite zu berichten. 13 Prozent erreichten einen Anteil von mehr als 30 Prozent Eigenanteil an ihrem Kapital und gelten damit als solide finanziert. Sächsische Handwerksbetriebe stehen damit deutlich besser da als der ostdeutsche Durchschnitt mit neun Prozent. Darüber hinaus sank die Zahl der Unternehmen, die nach Pleite von Kunden auf Geld verzichten mussten: von 62 auf 52 Prozent. Diese Entwicklungen könnten mit ein Grund dafür sein, warum das sächsische Handwerk relativ optimistisch in die Zukunft schaut: 22 Prozent der befragten Handwerker in Sachsen rechnen für dieses Jahr mit steigenden Umsätzen - ein Wert, der über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 19 Prozent liegt.
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.