Sachsen trotzt Trend: Das Geschäftsklima hat sich erneut verbessert, vor allem im Handel.
Dresden. Die Stimmungslage in der deutschen Wirtschaft hat sich verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Februar gesunken. Das gilt aber nicht für Sachsen. Im Freistaat hat sich das Geschäftsklima entgegen dem allgemeinen Trend erneut verbessert.
Industrie
In der sächsischen Industrie haben die Auftragsbestände zugenommen, folglich wurde auch die Geschäftslage besser beurteilt. Die Unternehmen im Grundstoff- und Produktionsgütergewerbe berichten über tendenziell gestiegene Verkaufspreise. Hier dürften sich die teilweise sehr hohen Rohstoffpreise widerspiegeln. Die Absatzmöglichkeiten auf den ausländischen Märkten wurden erneut erheblich optimistischer bewertet. Das schlägt sich auch in den Produktions- und Beschäftigungsplänen nieder - sie wurden erhöht.
Bau
Dagegen reicht die Auftragslage im Bauhauptgewerbe nicht aus. Fast jedes zweite Bauunternehmen klagt weiterhin über einen Mangel an Aufträgen. Dennoch wurde die Geschäftslage etwas weniger häufig mit „schlecht" beurteilt. Im Hochbau aktive Firmen bewerteten die Erwartungen für die kommenden sechs Monate jedoch kritischer als im Vormonat, Tiefbau-Firmen hingegen günstiger. Im Vergleich zum Januar haben die Meldungen über witterungsbedingte Behinderungen stark zugenommen.
Handel
Auch der Großhandel bleibt zuversichtlich. Das Geschäftsklima ist zum zweiten Mal in Folge gestiegen. Die Unternehmen meldeten schrumpfende Lagerbestände und steigende Verkaufspreise, die zu einem höheren Umsatz führten. Noch erfreulicher ist der Stimmungswandel im Einzelhandel. Dort schauen die Firmen weniger pessimistisch in die Zukunft. Die aktuelle Umsatzlage wurde deutlich besser bewertet als in den Vormonaten. Eine Fortsetzung des Preisrückgangs wird derzeit kaum erwartet.
Dienstleister in der Informationsgesellschaft
Die sächsischen Dienstleister in der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche (IKT) beurteilen zwar ihre derzeitige Umsatz- und Ertragssituation schlechter als vor einem Jahr, wie eine Umfrage von Creditreform und dem Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung ergab. Doch bei den Aussichten sind sie hoffnungsvoll.
Nur noch jeder fünfte IKT-Dienstleister konnte im vierten Quartal 2004 von gestiegenen Umsätzen berichten. Im Vorjahresquartal waren es noch 29,6 Prozent. Im ersten Quartal 2005 sollen sie jedoch laut Umfage anziehen. Gefallene Umsätze verbuchten 22,9 Prozent der sächsischen Dienstleister. Im Vorjahr waren es 24,7 Prozent.
Auch die Zahl der Befragten, die auf steigende Erträge verweisen können, hat innerhalb eines Jahres um 3,8 Prozentpunkte auf 14,9 Prozent abgenommen. Auch hier wird auf die nahe Zukunft gehofft: 29,8 Prozent gehen davon aus, ihre Erträge im ersten Quartal 2005 steigern zu können. Vor einem Jahr waren es nur 16,7 Prozent. Ertragseinbußen berichteten 29,8 Prozent der Befragten, zwei Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Nur 8,5 Prozent rechnen mit sinkenden Erträgen - ein erstaunlicher Rückgang um zehn Prozentpunkte. Obwohl aktuell nur 16,7 Prozent der Dienstleister sich über mehr Nachfrage freuen können. Aber auch hier hofft jedes vierte Unternehmen auf einen Anstieg.
Personalsituation
Dieser Optimismus zeigt sich auch in einer entspannteren Personalsituation. 29,2 Prozent der IKT-Dienstleister in Sachsen wollen mehr Personal einstellen, was einem Plus von 4,7 Prozentpunkten im Jahresverlauf entspricht. Und nur noch 2,1 Prozent nach 7,5 Prozent im Vorjahr werden sich von Mitarbeitern trennen. (SZ)
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.