Sachsenbarometer 10/2004 - Wirtschaftslage im sächsischen Mittelstand
Dresden. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands hat sich in den vergangenen drei Monaten nur wenig geändert. Allerdings entwickelte sich das Geschäftsklima in Ostdeutschland etwas ungünstiger als in Westdeutschland.
Auch in Sachsen hat der Aufschwung offenbar an Dynamik verloren. Die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe beurteilten ihre Lage und die Perspektiven verhaltener. Die hohen Ölpreise und die Furcht vor einer möglichen Abschwächung der Weltkonjunktur dämpfen die Stimmung. Die durchschnittliche Geräteauslastung lag indessen mit 82,8 Prozent über dem Niveau vom Juni. Die chemische Industrie meldete die niedrigste Auslastung (72,4 Prozent, die höchste die Stahl- und Leichtmetallbau-Firmen (89,8 Prozent).
Im sächsischen Bauhauptgewerbe waren nur zwei Drittel der Geräte maximal genutzt. Vor einem Jahr hatte die Auslastung immerhin noch 70,1 Prozent betragen. Mehr als jede zweite Baufirma klagt über Auftragsschwund. Die vorliegenden Aufträge reichen im Hochbau durchschnittlich noch für 1,6 Monate, im Tiefbau noch für 2,1 Monate. Für das nächste Halbjahr wird keine Besserung erwartet. Den Firmenmeldungen zufolge setzt sich auch der Personalabbau fort.
Nach einer kurzen Erholung im September ist auch im sächsischen Großhandel die Stimmung wieder schlechter. Maßgebend hierfür dürften die zum Teil drastisch gestiegenen Rohstoffpreise und die rückläufige Entwicklung im Baugewerbe sein. Die Händler korrigierten daher ihre Bestellpläne nach unten.
Ertragssituation stabil, Investitionen schwach
Im Einzelhandel sind die Umsätze offenbar erneut gesunken; die Lage wird häufiger mit "schlecht" beurteilt. Die Geschäftserwartungen für das nächste halbe Jahr aber haben sich aufgehellt. Die befragten Firmen glauben, höhere Verkaufspreise durchsetzen zu können Im Herbst vorigen Jahres hatten die Zeichen noch auf Konjunkturbelebung gestanden, nun hat sich das Bild in der aktuellen Befragung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform im sächsischen Mittelstand wieder eingetrübt. Nur noch 20,3 Prozent beurteilen ihre Geschäftslage mit sehr gut und gut - ein Absturz um 12,6 Prozentpunkte. Mit mangelhaft oder ungenügend bezeichnen dagegen 15 Prozent ihre Geschäftslage.
Uneins agieren Sachsens Unternehmen, wenn es um die Beurteilung ihrer aktuellen Umsatzsituation geht: Zwar nahm die Zahl der Unternehmen, die auf steigende Umsätze verweisen, von 35,7 Prozent im Herbst 2003 auf nunmehr 36,8 Prozent zu; gestiegen ist aber auch die Zahl der Unternehmen, die Umsatzeinbußen hinnehmen mussten - und zwar von 18,9 Prozent im Herbst 2003 auf nunmehr 21,1 Prozent. Umgekehrt verhält es sich bei der Ertragssituation. Weniger Betriebe verbuchten eine Ertragssteigerung als noch vor einem Jahr. Weniger Unternehmen mussten aber auch mit gesunkenen Erträgen wirtschaften. Positiv festzuhalten bleibt, dass mehr Unternehmen auf gleich gebliebene Erträge blicken.
Einhergehend mit der verhaltenen Umsatz- und Ertragssituation hat auch die Investitionstätigkeit abgenommen: Im nächsten Halbjahr planen nur noch 27,8 Prozent der befragten sächsischen Mittelständler Investitionen. Im Herbst 2003 waren es noch 30,8 Prozent. Damit liegt Sachsen unterhalb des bundesweiten Trends: In Deutschland plant jedes dritte Unternehmen zu investieren. Auch am Arbeitsmarkt kann von Entspannung keine Rede sein: Nur 15,8 Prozent der Unternehmen haben ihren Personalbestand im vergangenen halben Jahr aufgestockt. Vor einem Jahr waren es immerhin 19,6 Prozent. Und 20,3 Prozent mussten sich von Mitarbeiten trennen - 4,2 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Herbst. Die guten Konjunkturbeurteilungen des sächsischen Mittelstands im Herbst 2003 war also nur von kurzer Dauer. (SZ)
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.