SchuldnerAtlas Sachsen 2009:
Überschuldungssituation bei Privatpersonen hat sich weiter entspannt
Sachsen wird „grüner" und verteidigt dritten Platz
Die Zahl der überschuldeten Privatpersonen in Sachsen ist 2009 gegenüber dem Vorjahr um 42.000 Personen zurückgegangen. Für den Freistaat wurde zum Stichtag 1. Oktober 2009 eine Schuldnerquote von 7,96 Prozent (2008: 9,10 Prozent) ermittelt. Damit liegt Sachsen unter dem Bundesdurchschnitt (9,09 Prozent) und verteidigt seinen guten dritten Platz im Bundesländerranking. Lediglich in Bayern und Baden-Württemberg sind die Schuldnerquoten noch geringer.
Überschuldung liegt vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Kurz: Die zu leistenden monatlichen Gesamtausgaben übersteigen die Einnahmen.
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Krise kommt am Arbeitsmarkt noch nicht an
Der aktuelle Rückgang der Schuldnerquote geht weitgehend auf drei Faktoren zurück: Erstens hat die schwere Wirtschaftskrise bislang zu einem nur moderaten Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. Der Verlust der Beschäftigung als Hauptauslöser für Überschuldung wurde durch die massive Ausweitung der Kurzarbeit größtenteils verhindert. Zweitens hat der deutliche Rückgang bei den Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreisen die Verbraucher entlastet. Durch die weitgehend stabile Einkommenssituation waren die Schuldner in der Lage, ihre finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen und Schulden abzubauen. Schließlich sind die Verbraucher durch Sparen und Konsumverzicht weniger neue Kreditverpflichtungen eingegangen.
Erzgebirgskreis baut Spitzenposition aus
Auch 2009 gilt: Die Schuldnerquoten weisen in Kernstädten und Ballungsräumen weiterhin (meist deutlich) höhere Werte auf als in ländlichen Regionen. So konnte der Erzgebirgskreis wie in den Jahren zuvor seine positive Spitzenposition weiter ausbauen und weist mit einer Schuldnerquote von 6,34 Prozent bedeutend weniger Überschuldung auf als Leipzig (10,99 Prozent). Vorzeigekreise sind auch Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Durchweg haben sich alle sächsischen Kreise verbessert. Am stärksten Leipzig: hier ging die Schuldnerquote um 2,16 Prozentpunkte gegenüber 2008 zurück.
Verschuldung jünger und weiblicher - strukturelle Überschuldung verstärkt sich
Trotz des merklichen Rückgangs der Schuldnerzahl insgesamt verhärtet sich die Verschuldungsproblematik in einigen Teilbereichen. Während der Anteil der Männer an den überschuldeten Privatpersonen bundesweit seit 2004 von 68,0 auf 65,6 Prozent zurückging, stieg der der Frauen um 2,4 Prozentpunkte auf 34,4 Prozent. 2009 waren 4,06 Millionen Personen männlichen (minus 0,39 Millionen gegenüber 2004) und 2,13 Millionen Personen weiblichen Geschlechts (plus 0,04 Millionen gegenüber 2004) überschuldet.
Auch in den Altersgruppen gibt es unterschiedliche Trends: So steigt die Zahl der jüngeren Personen (unter 20 Jahre), die überschuldet sind, deutlich. Zwischen 2004 und 2009 erhöhte sich deren Zahl um 75.000 auf 128.000 Betroffene. Von den 20-29 jährigen Einwohnern Deutschlands sind 1,21 Millionen überschuldet (Schuldnerquote: 9,81 Pro-zent). Das sind 223.000 Personen mehr als noch 2004.
Die aktuelle Abschwächung der Schuldenproblematik vollzieht sich allein bei Privatschuldnern, die nur wenige Überschuldungsindikatoren und Negativmerkmale aufweisen (minus 1,055 Millionen Personen gegenüber 2006). Dagegen erhöhte sich die Zahl derer, die zahlreiche Überschuldungskennzeichen und juristische Sachverhalte wie mehrere Inkassofälle, Privatinsolvenz oder Eidesstattliche Versicherung aufweisen, um 62.000 Betroffene.
Ost und West gleichen sich an
Die Schuldnerquoten in Ost- und Westdeutschland haben sich 2009 zwanzig Jahre nach dem Mauerfall angeglichen. In den neuen Ländern ohne Berlin liegt die Schuldnerquote bei 9,08 Prozent (2008: 10,30 Prozent). 1,03 Millionen Ostdeutsche gelten damit als überschuldet. Im Westen Deutschlands sind 5,16 Millionen Personen betroffen. Die Schuldnerquote erreicht hier 9,10 Prozent (2008: 10,07 Prozent).
In allen Bundesländern kann für 2009 ein Rückgang der Schuldnerquoten verzeichnet werden. Die niedrigsten Schuldnerquoten weisen neben Sachsen Bayern (6,72 Prozent; 2008: 7,28 Prozent) und Baden-Württemberg (7,11 Prozent; 2008: 7,65 Prozent) auf. Am unteren Ende der Statistik finden sich Bremen (13,92 Prozent; 2008: 14,72 Prozent), Berlin (12,16 Prozent; 2008: 13,96 Prozent) und Sachsen-Anhalt (11,05 Prozent; 2008: 12,40 Prozent), wobei sich Berlin und Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich verbessern.
Ausblick: Überschuldung droht wieder zu steigen
In den kommenden zwei Jahren ist nicht mit einem weiteren Rückgang der Verbraucherüberschuldung zu rechnen. Im Gegenteil: Ein merklicher Anstieg der Arbeitslosenzahlen bis Ende 2010 und stagnierende Realeinkommen dürften die Auslöser für eine neuerliche Überschuldungsentwicklung sein.
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