Immer mehr sächsische Unternehmen von erhöhtem Ausfallrisiko betroffen
Regionencheck von Creditreform stellt Risikostruktur Sachsens dar
Gefährdungs- aber auch Chancenpotenziale werden aufgezeigt
Auch die sächsischen Unternehmen haben die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise zu spüren bekommen. Besonders das Gastgewerbe und die Branche Verkehr- und Lagerei sind von massiven Ausfallrisiken betroffen. Daher treten Fragen nach Bonität, Insolvenz und Risiko in der jetzigen Zeit immer stärker in den Vordergrund. Im Geschäftsalltag vieler Mittelständler spielen diese Aspekte eine zunehmend wichtige Rolle. So wird der Ausgang von Kreditgesprächen mit Banken oder von Verhandlungen mit Lieferanten und Leasinggesellschaften maßgeblich von der Bonitätsbewertung bestimmt.
Der vorliegende Regionencheck stellt die Risikostruktur in Sachsen dar. Untersucht wurden insgesamt 212.855 sächsische Unternehmen. Im Jahr 2009 erlitten 5.504 Unternehmen den wirtschaftlichen Zusammenbruch durch Insolvenz, Haftanordnung oder eidesstattliche Versicherung. Die Risikoquote, also die Zahl der Firmen mit einem Negativmerkmal, zur Gesamtzahl der Unternehmen im Bundesland, beläuft sich damit auf 2,59 Prozent (Vorjahr: 2,37 Prozent).
Dabei existieren große Branchenunterschiede: Von den 10.657 registrierten Gastgewerbebetrieben im Freistaat sind im vergangenen Jahr 512 Unternehmen ausgefallen. Mit einem Creditreform Risiko-Indikator (CRI) von 4,80 Prozent weist das Gastgewerbe damit das höchste Ausfallrisiko aller Wirtschaftszweige aus. Die Branche „Verkehr- und Lagerei" folgt unmittelbar mit einem CRI von 4,31 Prozent. Die wenigsten Ausfälle waren in 2009 in den Branchen „Land-, Forstwirtschaft, Fischerei und Bergbau" sowie in der Energie- und Wasserversorgung zu verzeichnen.
Im Bundeslandvergleich nur Rang 13 - Vogtlandkreis ist Sachsens Schlusslicht
Insgesamt wird das Bundesland Sachsen mit einem CRI von 2,59 Prozent (Vorjahr 2,37 Prozent) bewertet und der vierten Risikoklasse zugeordnet. Damit weisen die Unternehmen des Bundeslandes ein erhöhtes Insolvenzrisiko auf - mit steigender Tendenz. Der Blick auf die Deutschlandkarte zeigt, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit in Süddeutschland deutlich geringer ist als in Mittel- und Ostdeutschland. In Sachsen-Anhalt ist das Risiko für Unternehmen, zahlungsunfähig zu werden, am größten. Sachsen belegt im Ranking der Bundesländer Platz 13 (Vorjahr: Platz 8). Im Vergleich der ostdeutschen Länder und Berlin steht Sachsen auf Rang 4.
Betrachtet man die einzelnen Kreise in Sachsen bewegt man sich zwischen einem mittleren bis hohen Ausfallrisiko. Am besten - aber trotzdem mit einem mittleren Ausfallrisiko - schneiden die Unternehmen der Kreise Zwickau, Erzgebirgskreis, Mittelsachsen und Leipzig ab. Bei den Unternehmen aus Chemnitz, Leipzig Stadt, Nordsachsen, Meißen, Dresden, Bautzen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Görlitz ist mit einem erhöhten Ausfallrisiko zu rechnen. Schlusslicht ist der Vogtlandkreis: die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Unternehmens ist innerhalb des Freistaates hier am höchsten.
Sachsen im Negativtrend
Mit dem Anstieg der Insolvenzanfälligkeit entwickelt sich Sachsen parallel zum negativen Trend der ostdeutschen Länder (2,61 Prozent, Vorjahr 2,52 Prozent). Auch das Ausfallrisiko in Gesamtdeutschland ist weiter gestiegen - von 2,22 Prozent im Jahr 2008 auf 2,30 Prozent in 2009. Ursachen hierfür liegen in dem starken Anstieg der Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr und der nach wie vor angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Unternehmen.
Neben zeitlichen und branchenspezifischen Ausfallrisiken wurde Sachsen auch nach Rechtsformklassen untersucht. Das Ergebnis zeigt: Am häufigsten werden in Sachsen Gewerbebetriebe gegründet. Diese sind jedoch mit einem Creditreform Risiko-Indikator von 3,44 Prozent auch am stärksten von Ausfällen betroffen (2009: 4.272 Ausfälle). Fast ein Fünftel der sächsischen Unternehmer entscheidet sich für eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Doch auch davon sind im vergangenen Jahr immerhin 656 Unternehmen ausgefallen (CRI: 1,81 Prozent). Die größten Überlebenschancen haben statistisch gesehen die Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) mit einem CRI von 0,53 Prozent sowie die eingetragenen Genossenschaften (e.G.) mit einem Ausfallrisiko von 0,55 Prozent.
Betrachtet man das Ausfallrisiko nach Umsatzklassen, gilt allgemein: je höher der Umsatz, desto geringer das Pleiterisiko. In Sachsen haben gut 60 Prozent aller Betriebe einen Umsatz von weniger als 500.000 Euro im Jahr. In dieser kleinteiligen Unternehmenslandschaft sind gerade diese Unternehmen sehr stark von Ausfällen betroffen (CRI: 2,59 Prozent).
Prognose
Der von Creditreform prognostizierte CRI für 2010 liegt in Sachsen bei 2,63 Prozent. Es ist also davon auszugehen, dass durch die Nachwirkungen der Wirtschaftskrise sowohl die Insolvenzzahlen als auch die Zahl der eidesstattlichen Versicherungen und der Haftanordnungen im kommenden Jahr im Unternehmensbereich weiter ansteigen werden.
Datengrundlage der vorliegenden Analyse ist die Creditreform Wirtschaftsdatenbank mit über 3,9 Mio. Unternehmensdatensätzen. Durch stichtagsbezogene Selektionen wird die Anzahl der Unternehmen sowie die Anzahl der ausgefallenen Firmen je Region ausgewiesen. Grundlage und Orientierungsgröße des Analyse-Verfahrens ist der Creditreform Risiko-Indikator (CRI), der die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Region in Prozent misst. Ein Ausfall wird durch folgende Negativmerkmale angezeigt:
- Unternehmerisches Insolvenzverfahren
- Verbraucherinsolvenzverfahren von unternehmerisch tätigen Personen
- sonstige Insolvenzverfahren
- Haftanordnung zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung
- Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung
Auf Basis der über den Creditreform Risiko-Indikator ermittelten Ausfallquoten erfolgt eine Einteilung nach sechs Risikoklassen, ähnlich dem Schulnotenprinzip. Je höher der Creditreform-Risiko-Indikator, desto höher ist die Insolvenzgefahr. Ein geringes Ausfallrisiko wird durch eine grüne Ampelschaltung symbolisiert; ein hohes Ausfallrisiko durch eine rote Ampelschaltung. Der Regionencheck wurde von Creditreform Dresden in Zusammenarbeit mit der Creditreform Rating AG erstellt.
(Zeichen: 6.257)
Dresden, 04. März 2010