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Wo sind notleidende Forderungen noch einziehbar?

Creditreform publiziert den Inkasso-Indikator International

Dresden, 05.03.2008 - In Österreich stehen die Chancen für eine Beitreibung notleidender Forderungen am besten (Creditreform Inkasso-Indikator: 9,7 von 10 möglichen Punkten). Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Länder Belgien (9,3) und Deutschland (9,2). Die geringsten Aussichten, Forderungen nach erfolgloser Mahnung noch einziehen zu können, bestehen in Russland (3,1). Auf dem vorletzten Platz rangiert Indien (3,8) nach Japan (4,0).

Creditreform untersuchte den Zahlungsverzug der Länder der Europäischen Union plus Norwegen und der Schweiz, der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) sowie Japan und den USA. Abgestellt wurde dabei auf den Zeitpunkt nach Fälligkeit und Mahnung einer Forderung. Damit genau auf den Moment, in dem sich ein Unternehmer fragt, was er tun kann, um doch noch an sein Geld zu gelangen. Soll er weitere Mahnungen versenden, den Gerichtsweg beschreiten, die Forderung an ein Inkassobüro geben oder schlichtweg den Rechnungsbetrag als uneinbringlich ausbuchen?

Creditreform untersuchte, wie hoch die Chancen im jeweiligen Land stehen, notleidende Forderung einziehen zu können. In die Bewertung flossen die Insolvenzquoten der jeweiligen Länder ein, die Möglichkeit der Vereinbarung eines Eigentumsvorbehaltes und dessen Insolvenzfestigkeit, die durchschnittliche Dauer von Gerichtsverfahren und die Kostenerstattungsfähigkeit der Auslagen, das Vorhandensein eines gerichtlichen „Schnellverfahrens" ähnlich dem deutschen Mahnverfahren, die Anerkennung deutscher Urteile und die Erfolgsquoten des Creditreform-Inkasso im jeweiligen Land. Hinzu kommen die Erfahrungen der Auslandsexperten von Creditreform, die permanent den Forderungseinzug in den betrachteten Ländern betreuen.

10 Punkte: Beste Chancen, notleidende Forderungen noch zu erhalten
Aus einem Zusammenspiel der Merkmale wird der Creditreform Inkasso-Indikator International errechnet, der auf einer Skala von 1-10 (wobei 10 der höchste Wert ist) abbildet, wo es sich empfiehlt, bereits angemahnte Forderungen weiter zu verfolgen und in welchem Land vermieden werden sollte, gutes Geld dem schlechten hinterher zu werfen: Hier ist bei einer Nichtleistung trotz Mahnung von der endgültigen Uneinbringlichkeit der offenen Forderung auszugehen.

Der Creditreform Inkasso-Indikator International

01. 9,7 - Österreich
02. 9,3 - Belgien
03. 9,2 - Deutschland
04. 9,1 - Großbritannien
05. 8,9 - Niederlande
06. 8,2 - Schweiz
07. 8,1 - Luxemburg
08. 8,1 - Frankreich
09. 7,9 - Finnland
10. 7,7 - Dänemark
11. 7,5 - USA
12. 6,7 - Italien
13. 6,7 - Spanien
14. 6,6 - Slowenien
15. 6,1 - Norwegen
16. 6,1 - Griechenland
17. 5,8 - Kroatien
18. 5,8 - China
19. 5,8 - Tschechische Republik
20. 5,6 - Irland
21. 5,5 - Polen
22. 5,4 - Estland
23. 5,4 - Litauen
24. 5,3 - Lettland
25. 5,2 - Brasilien
26. 5,1 - Schweden
27. 5,0 - Slowakei
28. 4,9 - Ungarn
29. 4,8 - Portugal
30. 4,0 - Japan
31. 3,8 - Indien
32. 3,1 - Russland

In Österreich, Belgien und Deutschland stehen die Chancen sehr gut, trotz einer erfolglosen Mahnung an sein Geld zu gelangen. So ist in Österreich der Eigentumsvorbehalt insolvenzfest, das heißt, man erhält die unter Eigentumsvorbehalt gelieferte Sache direkt aus dem Vermögen des Schuldners zurück. Die Anerkennung ausländischer Urteile wird durch eine Reihe von Abkommen, wie etwa dem Europäischen Gerichtsstands- und Vollstreckungsübereinkommen (EUGVÜ), dem Lugano Abkommen, dem New Yorker Übereinkommen und dem Europäischen Übereinkommen von Genf sichergestellt. Zudem gilt uneingeschränkt das UN-Kaufrecht von 1989. Im so genannten Mahnbescheidverfahren ist es möglich, innerhalb eines Zeitraumes von etwa drei Monaten einen vollstreckbaren Titel zu erlangen, und schließlich sind die Erfolgsquoten im Creditreform Inkasso außerordentlich hoch und liegen bei über 70 Prozent im außergerichtlichen Verfahren.

Auch in Deutschland und Belgien sind die Bemühungen durchweg lohnend und erfolgsträchtig, bereits angemahnte Forderungen einzuziehen. Wie in Deutschland ist die Zahlungsmoral in Belgien nicht sonderlich ausgeprägt. Ein Zahlungsverzug zeugt aber - anders als in manch anderen Ländern - nicht zwangsläufig von einer sich abzeichnenden Illiquidität des betreffenden Unternehmens. Vielmehr werden Zahlungen oftmals bewusst hinausgezögert, um Zinsvorteile zu erlangen, oder die pünktliche Anweisung wird schlichtweg vergessen.

In etwas abgeschwächter Weise gilt Ähnliches für viele andere westeuropäische Länder und die USA, erfreulicherweise aber auch für zahlreiche mittel- und osteuropäische Länder wie Slowenien, Kroatien, Tschechien, Polen und die baltischen Staaten.

Japan, Irland und Schweden schneiden schlecht ab
Dass sich in Indien und Russland die Verfolgung offener Forderungen als schwierig gestaltet, verwundert kaum. Auf den ersten Blick erstaunt dagegen das schlechte Abschneiden der europäischen Vorzeigeländer Schweden (Platz 26 von 32 betrachteten Ländern mit einem Indikatorwert von 5,1) und Irland (Platz 20 mit einem Indikatorwert von 5,6) sowie des drittletztplatzierten Japan (4,0).

Dazu Volker Ulbricht, Geschäftsführer des Verbands der Vereine Creditreform: „Die Zahlungsmoral in Schweden und Irland ist im Regelfall sehr gut und Vertragsbeziehungen können ohne Bedenken eingegangen werden - wenn allerdings ein Unternehmen nicht pünktlich zahlt und auch nach einer erfolgten Mahnung nichts passiert, muss davon ausgegangen werden, dass der Vertragspartner kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht oder schon Insolvenz angemeldet hat. Das haben unsere Erfahrungen gezeigt. In solchen Fällen lohnt es nicht, ein teures Gerichtsverfahren anzustrengen. Auch in Japan ist die Zahlungsmoral im Regelfall sehr gut. Zahlt aber ein Unternehmen nicht freiwillig, wird die weitere Verfolgung der notleidenden Forderung zum va banque Spiel."

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