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CrefoINFO - Ihre (Bilanz-)Strategie für 2015

Unternehmer können bis zum Jahresende noch verschiedene Maßnahmen realisieren, um ihre Steuern zu minimieren. Unsere Tipps für Ihre clevere Bilanzgestaltung.

Hermann Blattner beginnt bereits frühzeitig mit den Vorbereitungen für den Jahresabschluss. "Wir wollen nicht in Hektik geraten", erklärt der Geschäftsführer der Christian Gröber GmbH & Co. KG. Das Stuttgarter Unternehmen mit 40 Mitarbeitern hat sich auf Fassadengestaltungen und Ausbau spezialisiert. Blattner fragt zum Beispiel in den nächsten Wochen ab, welche Projekte offen sind. "Wir wollen alle für die Bilanzierung relevanten Informationen frühzeitig parat haben, um eventuell noch Steuervorteile erzielen zu können." Zudem überlegt er, welche Anschaffungen er in diesem Jahr und welche er lieber 2016 realisieren will: "Das Ergebnis hängt zwar in erster Linie von den betrieblichen Notwendigkeiten ab. Darüber hinaus halte ich aber die Einnahmen- und Ausgabensituation im Blick - auch um die Steuerlast zu minimieren."

Der Bauunternehmer bereitet die Bilanz dann intern vor und übergibt die relevanten Belege mit Erläuterungen an seinen Steuerberater. Auf dieser Basis erstellt der den Jahresabschluss, die Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Steuererklärungen. "In einem ausführlichen Gespräch gehen wir dann die einzelnen Posten durch und erörtern mögliche Chancen zum Steuern sparen", so Blattner. In der Regel geht es bei diesem Termin etwa um die Abschreibungsmodalitäten neuer Anschaffungen, die Bewertungen von Vorräten und um Gewährleistungsverpflichtungen. Eine übliche und gute Vorgehensweise: Viele Firmenchefs nutzen das letzte Quartal des Jahres dazu, gezielt Maßnahmen für eine Bilanzoptimierung zu ergreifen. Denn zum einen gilt es, gegenüber Geschäftspartnern mit einem möglichst hohen Gewinn zu punkten. Zum anderen geht es darum, aus fiskalischen Gründen den Überschuss zu drücken. Zehn Tipps, wie dieser Spagat zu meistern ist:

1. Niedrig bewerten
Vermögensgegenstände und Schulden sind zum Bilanzstichtag - oftmals der 31.12. - einzeln zu bewerten. Tipp: Bestände im Lager, die sich etwa aufgrund des technischen Fortschritts oder aufgrund von Modetrends nur noch mit Preisabschlägen verkaufen lassen oder sogar verschrottet werden müssen, fließen mit einem pauschalen Abschlag in die Bilanz ein. Allerdings führen diese Teilwertabschläge immer wieder zu Streit mit den Betriebsprüfern. "Unternehmer sollten ihren Ansatz deshalb exakt begründen und die Erläuterungen zur Bilanz nehmen", rät Thilo Söhngen vom Steuerberaterverband Westfalen-Lippe.

2. Kleinvieh macht auch Mist
Bürostuhl, Werkzeug, Lampe - geringwertige Wirtschaftsgüter, deren Kaufpreis bei maximal 150 Euro netto liegt, können sofort abgeschrieben werden. Ab einem Anschaffungspreis von 151 bis unter 410 Euro haben Firmenchefs die Wahl: Entweder sie legen ein Verzeichnis mit Angaben zum Tag der Anschaffung, zur Einlage ins Betriebsvermögen sowie zu den exakten Anschaffungs- oder Herstellungskosten an und setzen das gute Stück auf einen Schlag ab. Oder sie nutzen die Poolabschreibung: In einem Posten sammeln sie alle neuen Anschaffungen mit einem Preis zwischen 151 und 1.000 Euro netto und schreiben diese gleichmäßig über fünf Jahre ab. "Die zweite Variante bietet sich an, wenn das Gut regulär länger als fünf Jahre abgeschrieben wird", so Bernhard Leibfried von der Kanzlei KKLB in Fellbach.

3. Sonderzahlungen absetzen
Ob Fuhrpark, Immobilie, IT oder Maschine: Leasen statt kaufen lautet in vielen Betrieben die Devise. Bei Vertragsbeginn ist häufig eine Einmalzahlung zu leisten. Diese können Unternehmer sofort als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen. Wird beispielsweies der neue Geschäftswagen im Jahr der Anschaffung ausschließlich betrieblich genutzt, akzeptiert der Fiskus sogar die gesamte Sonderzahlung. Zum Jahresende wird Leasing eines teuren Wirtschaftsgutes deshalb besonders interessant. Wichtig wird es sein, die betriebliche Nutzung nachzuweisen. Im Fall eines Firmenwagens also für die letzten Monate nicht vergessen, ein korrektes Fahrtenbuch zu führen.

4. Nichts ist sicher
Rückstellungen schmälern den zu versteuernden Gewinn, dürfen aber nur unter strengen Vorgaben gebildet werden: Eine noch ungewisse Schuld, für die eine Rückstellung gebildet wird, muss mit hoher Wahrscheinlichkeit auch entstehen. Beispiel: Rückstellungen für Mängelrügen. Der Unternehmer orientiert sich dabei an den Aufzeichnungen über den bisherigen Aufwand für die Gewährleistung. Ausnahmsweise können auch pauschale Größen genommen werden - etwa Anteile vom Umsatz. Der Posten darf auch für Resturlaub oder Urlaubsgeld sowie im Einzelfall für die Kosten einer kommenden Betriebsprüfung angesetzt werden. "Sogar für die Aufbewahrung der Geschäftsunterlagen lässt er sich bilden", so Verbandsexperte Söhngen.

5. Gewinne thesaurieren
Eine gute Eigenkapitalposition stärkt das Rating. Allein das kann Grund genug sein, einen Teil des Gewinns in der Firma zu behalten. Einzelunternehmer und Personengesellschafter sparen damit Steuern. "Für nicht entnommene Gewinne zahlen Firmenchefs nur 28,5 Prozent an den Fiskus", erklärt Fritz Winkler, Vorstandsmitglied der Steuerberaterkammer München.

6. Feiern bis zum Umfallen
Kurz vor Weihnachten zeigen sich Firmenchefs gegenüber Mitarbeitern und Geschäftspartnern gern großzügig. Motto: Kleine Aufmerksamkeiten erhalten die Freundschaft. Das Finanzamt hat keine Einwände - solange sich die Zuwendungen im Rahmen halten. Betriebsfeiern motivieren das Team. Für bis zu zwei Betriebsveranstaltungen im Jahr können Unternehmer pro Teilnehmer jährlich 110 Euro brutto abrechnen, ohne dass Lohnsteuer und Sozialabgaben für die Leistung anfallen. Vorsicht: Aus der bis 2014 geltenden Freigrenze ist seit Jahresbeginn 2015 ein Freibetrag geworden. "Wer in diesem Jahr eine Party für die Mitarbeiter organisiert und pro Kopf mehr als 110 Euro dafür ausgibt, muss für den darüber hinausgehenden Betrag jetzt die Lohnsteuer pauschal mit 25 Prozent abführen", erklärt Steuerberater Winkler.

7. Geplante Investitionen nutzen
Das Finanzamt zeigt sich großzügig, wenn Unternehmen investieren wollen: 40 Prozent des Kaufpreises kann der Firmenchef vorab als Betriebsausgabe absetzen. Der Unternehmer muss die Wirtschaftsgüter nur innerhalb der nächsten drei Jahre dann tatsächlich kaufen. Den sogenannten Investitionsabzugsbetrag (IAB) können Betriebe mit einem Vermögen von bis zu 235.000 Euro bei geplanten Investitionen von bis zu 200.000 Euro nutzen. Im Jahr der Anschaffung löst das Unternehmen den IAB wieder auf, was den Gewinn dann allerdings erhöht. Der Effekt lässt sich jedoch mit 20 Prozent Sonderabschreibung neutralisieren. Warnung: Der IAB muss wieder rückgängig gemacht werden, falls das Wirtschaftsgut am Ende nicht angeschafft wird - und es werden Steuern fällig. Allerdings brauchen Unternehmer keine Zinsen auf die Steuern zu bezahlen, falls sie ihren Verzicht frühzeitig dem Finanzamt mitteilen (Bundesfinanzhof, Az.: IV R 9/12).

8. Vom Wahlrecht profitieren
Viele Handwerksunternehmer sind nicht zur Bilanzierung verpflichtet. Personengesellschaften mit bis zu 500.000 Euro Umsatz und maximal 50.000 Euro Gewinn im Jahr haben die Wahl. Die Einnahmen-Überschuss- Rechnung (EÜR) bietet allerdings zum Beispiel keine Möglichkeit, Rückstellungen zu bilden. Unternehmer sollten also mit ihrem steuerlichen Berater vorab klären, welche Variante für sie am günstigsten ist.

9. Stille Reserven sichern
Die Preise für Immobilien sind in den vergangenen Jahren in vielen Regionen Deutschlands enorm gestiegen. Wenn Unternehmen derzeit Objekte im Betriebsvermögen verkaufen, erzielen sie in der Regel einen guten Gewinn. Mit der Folge, dass die stillen Reserven aufgedeckt werden. Der Fiskus bietet aber in dieser Hinsicht eine Chance zum Steuern sparen: Die Firma darf für diesen Posten in der Bilanz eine steuerfreie Rücklage bilden. Die kann entweder sofort oder innerhalb der kommenden vier Jahre auf ein neues Objekt übertragen werden. Das Verfahren funktioniert bei allen Immobilien, die mindestens sechs Jahre lang im Anlagevermögen einer deutschen Betriebsstätte gehalten wurden. Doch Vorsicht: Unternehmer, die es versäumen, innerhalb der Frist zu reinvestieren, müssen die Rücklage gewinnerhöhend wieder auflösen - zuzüglich eines satten Zuschlags von sechs Prozent.

10. Die Freundschaft erhalten
Präsente an Mitarbeiter bleiben steuer- und sozialabgabenfrei, wenn sie nicht mehr als 60 Euro brutto gekostet haben. Bis Jahresanfang durften Firmenchefs lediglich Geschenke im Wert von 40 Euro brutto übergeben.

Text: Eva Neuthinger

Wenn Sie mehr zum Thema Bilanzgestaltung erfahren möchten oder Fragen haben, besuchen Sie unser Seminar:
"Bilanzgestaltung - Spannungsfeld zwischen Eigenkapital und Steuer" am 22.09.2015, 14:00 bis 17:00 Uhr.

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