Farben - richtig kombiniert
In Sachen Farbe hat die „richtige Kombination" viel mit Geschmack zu tun. Nur - was ist Geschmack? Eine exklusive Gabe, die nur wenigen Privilegierten zufällt? Von diesem Glauben leben ganze Industrien.
Farben gut zu kombinieren verlangt, dass Sie Farben erst einmal sehen lernen - ihre Qualitäten und Eigenschaften. Ihre strategische Bedeutung.
Es gibt drei Paare von Farbeigenschaften, die Farben charakterisieren.
Da gibt es einmal die hellen und dunklen Farben - das muss man nicht weiter erklären.
Dann aber können sich Farben auch nach warmen und kalten Farben unterscheiden:
Als warm wird eine Farbe definiert, wenn sie einen goldenen oder gelben Unterton hat, als kalt, wenn sie einen blauen Unterton aufweist. Die warme Variante der Farbe Rot also tendiert in den Orange-Bereich (Hummer-, Lachs, Klatschmohnrot, Orange und Terracotta zum Beispiel), weil Rot und Gelb (die warme Komponente) zusammen Orange ergeben, wie schon Johannes Itten* - seines Zeichens Maler und Bauhaus-Mitbegründer - uns vermittelt.
Die kalte Version von Rot tendiert in den Lila-Bereich, weil Rot und Blau (das Kalte der Farbe) Lila ergeben, wenn man sie mischt. Farbbezeichnungen hier reichen von Himbeer-, Brombeer- und Burgunderrot bis zu Wassermelone, Bordeaux und Scharlachrot.
Warme und kalte Farben lassen sich sehr gut unterscheiden, wenn man gold- (Gelbgold, Rotgold) oder silberfarbigen Schmuck (z.B. Silber, Weißgold, Platin) darauf legt.
Kalte Farben werden mit dem kühlen Schmuck immer edel und teuer aussehen, warme mit dem warmen Schmuck. Im übrigen ist das auch der Grund dafür, warum schwarze Kleidung (auch das sündhaft teure Kleine Schwarze aus der Designer-Boutique!) mit Goldschmuck kombiniert oft etwas billig aussieht. Denn Schwarz als die dunkelste Facette von Grau bleibt eine kalte Farbe.
Als nächstes können Sie Farben auch noch nach klar und gedämpft (weich, neblig) unterscheiden. Klar bezeichnet man Farben mit leuchtendem Ausdruck, die sehr direkt wahrgenommen werden. Vergleichen Sie das mit einem extrovertierten Menschen. In unserer Werbe- und Medienwelt werden gerne klare Farben verwendet.
Gedämpft oder weich sind Farben, die einen Schleier zu haben scheinen - wie der Dunstschleier eines ganz heißen Sommertages, wenn die Konturen leicht verschwimmen, oder der feuchte Nebel eines Herbsttages. Gedeckte Farben wirken introvertierter, verwaschener, weicher.
Harmonisch wirken Kombinationen immer dann, wenn Sie warme und kalte Farben klar trennen und für sich die richtige Palette auswählen. Das hängt mit Ihren eigenen Farbeigenschaften in Haut-, Haar- und Augenfarbe und mit Ihrem (in der Erbanlage definierten) Hautunterton zusammen. Qualifizierte Farbanalysen geben hier Aufschluss.
Eine Kombination ist also farblich gelungen, wenn die Farben in derselben Farbgruppe ‚warm' oder ‚kalt' stattfinden und wenn die Kombinationsfarben genügend Kontrast haben. Das heißt: Marineblau oder Anthrazit (kalt und dunkel) sieht mit Hellgrau (kalt und deutlich heller) gut aus, nicht aber mit Mittelbraun oder Sand (hell genug, aber warm) - um einmal im Neutralfarbenbereich zu bleiben.
Für eine raffinierte Kombination sollten Sie auch zwischen Neutralfarben, Basisfarben und Akzentfarben unterscheiden. Aber das besprechen wir ein nächstes Mal!
Ihre Katharina Starlay
*Literaturempfehlung: Johannes Itten „Kunst der Farbe"
Katharina Starlay, Jahrgang 1966, ist Unternehmensberaterin in Kleiderstilfragen und Designerin für Corporate Couture. Neu ist ihre eigene Business Couture Kollektion für reisende Geschäftsfrauen - stilvoll und vorstandssicher.
Die Modedesignerin arbeitete neun Jahre als Führungskraft in der Mode- und Kosmetikbranche. Sie berät Entscheider und Unternehmen in Image-Fragen und trainiert Serviceteams und Personen in allen Fragen rund um den modischen Auftritt im Business und die persönliche Wirkung im Öffentlichkeitskontakt. Außerdem entwirft und produziert Sie Firmenkleidung (Corporate Couture). 2008 gründete sie Stilclub.de, ein Onlineportal zur Beantwortung von Stilfragen in Lexikonform, in dem Sie als Besucher auch Fragen stellen können.