Schuldneratlas Deutschland / Sachsen 2005
Die Finanzsituation von Privatpersonen verschlechtert sich in Deutschland weiterhin kontinuierlich. Eine aktuelle Studie der Creditreform Töchter CEG und microm untersucht, wie sich die Personen mit Negativmerkmalen innerhalb Deutschlands kleinräumig verteilen.
In 2005 stellten in ganz Deutschland fast 100.000 (98.400) Verbraucher einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens - das sind fast 25% mehr als im Jahr 2004. Die Insolvenzentwicklung ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Über 3,2 Millionen Privathaushalte sind mittlerweile in Deutschland überschuldet. Mit anderen Worten: bei mehr als 8% der deutschen Haushalte decken die regelmäßigen Einnahmen die dagegen stehenden Ausgaben nicht mehr - die Tendenz ist weiterhin steigend.
Im dritten Jahr in Folge untersucht eine aktuelle Studie der Creditreform-Töchter CEG (Creditreform Consumer GmbH) und microm (Mikromarketing-Systeme und Consult GmbH), wie sich die Personen mit Negativmerkmalen innerhalb Deutschlands kleinräumig verteilen. Mit Hilfe der Analyse können Schuldnerquoten (Personen mit Negativmerkmalen im Verhältnis zu allen Personen ab 18 Jahren) auf Basis von Bundesländern bis hin zu Straßenabschnitten dargestellt werden. Die Negativmerkmale setzen sich zusammen aus den aktuell vorliegenden juristischen Negativmerkmalen (harte Negativmerkmale und Pri-vatpersoneninsolvenz), den unstrittigen Inkassofällen der Organisation Creditreform gegenüber Privatpersonen und den negativen Zahlungserfahrungen der CEG Poolteilnehmer.
Über die gesamte Bundesrepublik ergibt sich eine Schuldnerquote von 11,33%, das heißt mehr als jeder elfte erwachsene Einwohner Deutschlands ist verschuldet (der Hypothekenbereich wird hier nicht mitgezählt).
Der nominelle Anstieg der Schuldnerquote von 10,58% in 2004 auf 11,33% ist weitestgehend auf die erstmalige Verschuldung weiterer Personen zurück zu führen und spiegelt damit die Verschlechterung wider. Die Analyse zeigt, dass erwartungsgemäß die Schuldnerquoten generell in den Ballungsräumen höher sind als in ländlichen Regionen - in den Kernstädten mehr als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt, in den weniger verdichteten Gebieten und den ländlichen Regionen generell mehr als ein Prozentpunkt unter dem Durchschnitt.
Auch auf Ebene der Bundesländer fällt die Spreizung der Schuldnerquote noch relativ gering aus. Im positiven Sinne führend ist hier, wie im Vorjahr, in 2005 Bayern mit 7,64% vor Baden-Württemberg mit 7,95%. Diese beiden Bundesländer haben auch den geringsten Zuwachs verzeichnet. Sachsen folgt zwar mit etwas Abstand (9,51%) auf Platz 3, aber ebenfalls mit unterdurchschnittlicher Steigerungsrate. Die übrigen westdeutschen Bundesländer weisen in 2005 insgesamt überdurchschnittliche Steigerungsraten auf (lediglich Rheinland-Pfalz ist als einziges westdeutsches Bundesland unterdurchschnittlich).
Deutlich interessanter wird die Betrachtung, wenn man einen kleinflächigeren Ansatz wählt. Auf Kreisebene werden neun der besten zehn Positionen von bayerischen Landkreisen eingenommen. Wie in 2004 befindet sich der Mittlere Erzgebirgskreis (in Marienberg) mit 6,17% als einziger Kreis der neuen Bundesländer unter den Top 30 Kreisen (Rang 23).
Betrachtet man die Stadtkreise, so sind in Deutschland inzwischen Erlangen mit 7,15% und Heidelberg mit 7,30% die Städte mit den zahlungswilligsten Einwohnern. Das Schlusslicht unter den deutschen Kreisen belegt wie im Vorjahr die Stadt Bremerhaven mit 19,65% vor der Stadt Offenbach am Main mit 18,39%. Während also nur jeder 14te Erlanger und Heidelberger erwachsene Einwohner Schulden hat, ist es in Bremerhaven fast jeder fünfte - und im Landkreis Eichstätt nur jeder 23ste.
Unter den schlechtesten zehn Kreisen aller Stadtkreise, sind mit Halle (Saale), Frankfurt (Oder) und Brandenburg (an der Havel) wie im Vorjahr drei Oststädte. Unter den schlechtesten Stadtkreisen haben sich generell recht wenig Verschiebungen ergeben. Es lässt sich feststellen, dass die Intensität der Verschlechterung in den Top-Kreisen deutlich geringer ausgefallen ist als in den Kreisen am Ende der Skala - die Diskrepanz nimmt also zu auf 15,35 Prozent-punkte von 13,61 im Jahre 2004.
Die Situation in Sachsen
In Sachsen wurden in 2005 insgesamt 8280 Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens von Verbrauchern und Unternehmern gestellt. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um +27% (2004: 6.523).
Die Unternehmensinsolvenzen legten dabei um +8,6% von 2.344 auf 2.545 zu. Massiv gestiegen sind dagegen die Insolvenzen bei den Verbrauchern - während in 2004 noch 4.179 Insolvenzanträge vor lagen, waren es in 2005 bereits 5.735 - ein Anstieg von 37,2%.
In Sachsen gibt es in Leipzig (13,41%), Plauen (12,54%) und Zwickau (12,36%) die meisten überschuldeten Haushalte. Dahinter folgen die Regionen Delitzsch, Chemnitz, Torgau-Oschatz, Hoyerswerda und Görlitz. Und auch Dresden bleibt mit seiner Schuldnerquote nicht mehr wie im Vorjahr unter der 10%-Marke (2004: 9,75%) sondern übersteigt sie auf 10,18%.
Doch es gibt auch Landkreise, die vorsichtiger mit dem Schulden machen umgehen. Den Spitzenplatz in Sachsen belegt hier der Mittlere Erzgebirgskreis mit nur 6,17%, gefolgt von Stollberg, dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis, Löbau-Zittau, Kamenz und Freiberg (7,59%).
Fazit:
Insgesamt zeigt der Schuldneratlas deutlich, dass die Negativquoten in Ballungsgebieten deutlich erhöht sind. Generelle Aussagen „Süd besser als Nord" sind sehr pauschal und wenig zielführend. In allen Ballungsgebieten finden sich neben den Gebieten mit hoher Negativquote auch sehr große Bereiche mit sehr niedriger Negativquote. Eine solche differenzierte Betrachtung sollte auf PLZ-Ebene beginnen, kann aber dann feiner vorgenommen werden bis auf die Ebene der Straßenabschnitte.
Zu konstatieren bleibt, dass die Zunahme der Schuldnerquote häufig besonders stark in Gebieten war, die auch in den vergangenen beiden Jahren einen überdurchschnittlichen Wert aufwiesen, während sich die Steigerung in den schuldnerarmen Gebieten nur als marginal erwies.
Die Schere zwischen schuldnerarmen und schuldnerreichen Gebieten geht also auseinander.