Schuldneratlas Deutschland/Sachsen 2004

Die Finanzsituation von Privatpersonen verschlechtert sich in Deutschland weiterhin kontinuierlich. Im ersten Halbjahr 2004 stellten 20.910 Verbraucher einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, das sind 34,2 % mehr als im ersten Halbjahr 2003. Die Insolvenzentwicklung ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Über 3 Millionen Privathaushalte sind mittlerweile in Deutschland überschuldet. Mit anderen Worten: Bei mehr als acht Prozent der deutschen Haushalte decken die regelmäßigen Einnahmen die dagegen stehenden Ausgaben nicht mehr - die Tendenz ist weiterhin steigend.

Geographische Verteilung der Schuldner in Deutschland nach Postleitzahlgebieten.

Die Finanzsituation von Privatpersonen verschlechtert sich in Deutschland weiterhin kontinuierlich. Im ersten Halbjahr 2004 stellten 20.910 Verbraucher einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, das sind 34,2 % mehr als im ersten Halbjahr 2003. Die Insolvenzentwicklung ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Über 3 Millionen Privathaushalte sind mittlerweile in Deutschland überschuldet. Mit anderen Worten: Bei mehr als acht Prozent der deutschen Haushalte decken die regelmäßigen Einnahmen die dagegen stehenden Ausgaben nicht mehr - die Tendenz ist weiterhin steigend.

Eine aktuelle Analyse, erstellt von den Creditreform-Töchtern Microm (Micromarketing-Systeme und Consult GmbH) und CEG (Creditreform Consumer GmbH), beide in Neuss, untersucht, wie sich die Personen mit Negativmerkmalen innerhalb Deutschlands kleinräumig verteilen. Mit Hilfe der Analyse können Schuldnerquoten (Personen mit Negativmerkmalen im Verhältnis zu allen Personen ab 18 Jahren) auf Basis von Bundesländern bis hin zu Straßenabschnitten dargestellt werden. Die Negativmerkmale setzen sich zusammen aus den aktuell vorliegenden juristischen Negativmerkmalen (HA, EV und Privatpersoneninsolvenz), den unstrittigen Inkassofällen der Organisation Creditreform gegenüber Privatpersonen und den negativen Zahlungserfahrungen der CEG Poolteilnehmer. Über die gesamte Bundesrepublik ergibt sich zum Stichtag 1.10.2004 eine Schuldnerquote von 9,74 %, d.h. fast jeder zehnte erwachsene Einwohner Deutschlands ist verschuldet. Der nominelle Anstieg der Schuldnerquote von 7,22 % in 2003 auf 9,74 % ist aber nicht nur auf die Verschuldung weiterer Personen zurück zu führen. Erstmals konnten für diese Untersuchung in großem Umfang die Schuldnerdateien großer Partnerunternehmen mit einbezogen werden. Dies führt dazu, dass einige ländliche Regionen, aber vor allem weite Bereiche Ostdeutschlands in 2004 jetzt mit einem überdurchschnittlichen Schuldneranteil
ausgewiesen werden.

Die Analyse zeigt, dass erwartungsgemäß die Schuldnerquoten generell in den Ballungsräumen höher sind, als in ländlichen Regionen - in den Kernstädten ca. 2 Prozentpunkte über dem Durchschnitt, in den weniger verdichteten Gebieten und den ländlichen Regionen generell ein Prozentpunkt unter dem Durchschnitt.

Auch auf Ebene der Bundesländer fällt die Spreizung der Schuldnerquote noch relativ gering aus. Führend ist hier, nach Sachsen in 2003, Bayern mit 7,19 % vor Baden-Württemberg mit 7,50 %. Diese beiden Bundesländer haben auch den geringsten Zuwachs verzeichnet. Sachsen folgt mit Abstand (8,95 %) auf Platz 3, aber mit überdurchschnittlicher Steigerungsrate. Die übrigen westdeutschen Bundesländer NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland weisen wie Bayern und Baden-Württemberg unterdurchschnittliche Steigerungsraten auf. Die Schlusslichter werden, wie im Vorjahr, von Bremen (13,35%) und Berlin (14,02%) gebildet. Die Bundesländer mit dem stärksten Anstieg sind aber Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und vor allem Sachsen-Anhalt.

Deutlich interessanter wird die Betrachtung, wenn man einen kleinflächigeren Ansatz wählt. Auf Kreisebene werden die besten 10 Positionen ausschließlich von bayrischen Landkreisen eingenommen. Lediglich der Mittlere Erzgebirgskreis (in Marienberg) befindet sich mit 5,73 % unter den Top 30 Kreisen. Spitzenreiter ist, wie im Vorjahr, der Landkreis Eichstätt. Hier beträgt die Negativquote bei ca. 94.400 Personen über 18 Jahren nur 4,12 %. Dieser Kreis hat auch die geringste Zuwachsrate zwischen 2003 und 2004 erzielt. Auf der Kreisebene ist in Deutschland inzwischen die Stadt Heidelberg der zahlungswilligste Stadtkreis* mit einer Schuldnerquote von nur 6,73 % bei ca. 122.000 Personen über 18 Jahren. Das Schlusslicht unter den deutschen Kreisen belegt inzwischen die Stadt Bremerhaven mit 17,74 %. Damit verdrängt sie die Stadt Offenbach am Main mit 17,21% auf den vorletzten Platz. Während also nur jeder 15te Heidelberger Schulden hat, ist es in Bremerhaven jeder fünfte bis sechste - und im Landkreis Eichstädt nur jeder 24-25ste. Lagen im letzten Jahr alle 12 Städte mit der höchsten Schuldnerquote in Westdeutschland (Oberhausen, Flensburg, Kassel, Bremerhaven, Mönchengladbach, Worms, Duisburg, Ludwigshafen, Kaiserslautern, Wuppertal, Pirmasens und Offenbach), so sind in diese Zwölfergruppe mit Halle (Saale), Frankfurt (Oder), Brandenburg (an der Havel), Magdeburg und Erfurt gleich fünf ostdeutsche Städte abgestiegen, zusätzlich Wilhelmshaven. Den größten relativen Sprung zum Besseren hin hat aus dieser Zwölfergruppe die Stadt Oberhausen gemacht, die inzwischen 33 Kreise bzw. kreisfreie Städte hinter sich lassen konnte.

Die Situation in Sachsen


Die Zahl der Insolvenzen von Privatpersonen im Jahr 2004 beträgt bundesweit 76.100. In Ostdeutschland traf es insgesamt 17.800 ehemals Selbstständige, Gesellschafter und Verbraucher. Davon kamen 4.100 Betroffene aus Sachsen, das sind über 1.000 Personen mehr als noch vor einem Jahr. Auf die drei größten sächsischen Städte Dresden, Chemnitz und Leipzig entfallen dabei fast 38 Prozent aller Insolvenzen von Privatpersonen. Allein in Dresden treten dieses Jahr 470 Privatpersonen den Gang zum Insolvenzgericht an - 2003 waren es noch 362, was einem Zuwachs von 29,8 Prozent entspricht.

Schuldneratlas Sachsen

Landkreise in SachsenQuote *  Vergleich der BundesländerQuote *
Leipzig, Stadt12,64 Berlin14,02
Plauen, Stadt11,59Bremen13,35
Zwickau, Stadt11,38Sachsen-Anhalt12,21
Delitzsch10,79Mecklenburg-Vorpommern11,50
Torgau-Oschatz10,46Brandenburg11,20
Chemnitz, Stadt10,41Saarland11,05
Hoyerswerda, Stadt9,98Hamburg10,88
Görlitz, Stadt9,80Schleswig-Holstein10,82
Dresden, Stadt9,75Nordrhein-Westfalen10,68
Döbeln9,42Rheinland-Pfalz10,13
Muldentalkreis9,36Niedersachsen10,13
Leipziger Land9,01Thüringen10,01
Riesa-Großenhain8,66Hessen9,75
Meißen8,04Sachsen8,95
Chemnitzer Land7,96Baden-Württemberg7,50
Aue-Schwarzenberg7,58Bayern7,19
Bautzen7,56
Mittweida7,52
Zwickauer Land7,48
Sächsische Schweiz7,45
Weißeritzkreis7,39
Annaberg7,25
Vogtlandkreis7,19
Freiberg7,10
Kamenz6,95
Löbau-Zittau6,86
Niederschles. Oberlausitzkreis6,76
Stollberg6,41
Mittlerer Erzgebirgskreis5,73

Fazit:
Insgesamt zeigt der Schuldneratlas deutlich, dass die Schuldnerquoten in Ballungsgebieten deutlich erhöht sind. Generelle Aussagen "Süd besser als Nord" sind allerdings sehr pauschal und wenig zielführend. In allen Ballungsgebieten finden sich neben den Gebieten mit hoher Negativquote auch sehr große Bereiche mit sehr niedriger Negativquote. Eine solche differenzierte Betrachtung sollte auf PLZ-Ebene beginnen, kann aber dann feiner vorgenommen
werden bis auf die Ebene der Straßenabschnitte.

*Stadtkreise werden hier mit Landkreisen verglichen, da sie auf der gleichen administrativen Ebene liegen.

microm - Ein Unternehmen der Creditreform Gruppe
Micromarketing-Systeme
und Consult GmbH
Hellersbergstraße 14
41460 Neuss

www.microm-online.de

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