Wellness für die Kleider
Früher wurden Stilgeheimnisse von Mutter zu Tochter und von Vater zu Sohn weitergegeben. Heute erübrigt sich meistens schon die Frage, weil Mutter und Vater eben auch nicht mehr so genau wissen: Was ist Qualität? Was guter Geschmack? Was schmeichelt mir, wie kann ich mich ausdrücken? ...oder auch einfach: Wie pflege ich meine Kleidung richtig?
For details ask your mother schreibt ein origineller Modeanbieter in den Pflegehinweis seiner Kleidung. Richtiger müsste es wahrscheinlich heißen: …ask your grandmother.
Abgesehen davon, dass sich Grandma nicht mit ständig neu erscheinenden High-Tech-Textilien auseinander setzen musste, hatte sie doch etwas, was vielen Menschen heute fehlt: Einen tief sitzenden Respekt vor Textilien (schließlich mussten sie lange halten!) und ein Grundwissen über Materialien, Fasern und wie man sie am besten behandelte. Heute ist das anders. Grandma's Nachfahren tragen Kleidung oft höchstens eine Saison, weshalb sie nicht teuer sein darf …und entsprechend auch aussieht!
Es kann auch schon mal vorkommen, dass eine Damenjacke aus teurem Wollstoff speckig und glänzend wird, weil Grannie's Urenkelin Frisierumhänge für altmodischen Krempel hält und auch noch nie gehört hat, dass man sich erst nach dem Frisieren anzieht. Denn was macht das Haarspray? Spätestens beim Bügeln zieht es tief in die Faser ein, verklebt sie und ist auch durch Reinigung nicht weg zu bekommen.
Stilprofis eignen sich im eigenen Interesse Grundwissen über Kleiderpflege an. Reinigung, egal ob trocken (gekennzeichnet durch das „P" für Perchlorethylen in der symbolisierten Reinigungstrommel auf dem Pflegeetikett) oder nass (dann „W" wie ‚wet') soll Staub, Körperfett und Gerüche aus der Kleidung entfernen. Und das regelmäßig! Denn nur so bleibt das Gewebe lange schön. Ober- und Unterteile sollten Sie immer zusammen in die Reinigung bringen, weil jede chemische Behandlung eine kaum merkliche Farbveränderung mit sich bringt. Nur so sind Sie sicher, dass Ihr Anzug auch nach mehreren Reinigungen noch wie einer aussieht. Und achten Sie auch auf die Bügelqualität der Reinigung Ihres Vertrauens: Durchgebügelte Reverskanten? Glänzend gebügelte Flächen? Das darf nicht passieren. Bei der Reinigung ist es wie bei der Wahl des Änderungsschneiders: Billig ist eben nicht die beste Wahl - denn durchgebügelte Nähte sind irreversibel! Das Teil können Sie dann nur noch im schummrigen Kerzenlicht tragen.
Für die Maschinenwäsche hat sich Grandma's Enkel jedenfalls schlau gemacht: Für ihn ist selbstverständlich, dass er helle und dunkle Sachen getrennt und nicht zu heiß wäscht und Jeans, Shirts und Pullover auf links dreht, bevor sie in die Trommel kommen.
Seine Büroanzüge trägt er nie zwei Tage nacheinander, hängt sie nach dem Tragen über Nacht auf den Balkon oder ins Bad, damit sich die Fasern erholen können - und erst dann wieder in den Schrank. Und er hat sich auch angewöhnt, beim Tragen gut zu seiner Kleidung zu sein: Er stützt die Ellenbogen nicht mehr auf (macht blanke Ärmel!), hebt vor dem Hinsetzen die Hosenbeine leicht an (verhindert Überdehnen und Ausbeulen der Knie) und zieht bei längeren Auto- oder Zugfahrten das Sakko aus, damit es nicht krumpelt. Und er stopft auch die Taschen und Innentaschen nicht mehr so voll!
Die Belohnung? Seine Freundin jedenfalls findet, dass er ein echter Gentleman geworden ist - nicht nur, weil seine Anzüge besser sitzen!
Ihre Katharina Starlay
Katharina Starlay, Jahrgang 1966, ist Unternehmensberaterin in Kleiderstilfragen und Designerin für Corporate Couture. Neu ist ihre eigene Business Couture Kollektion für reisende Geschäftsfrauen - stilvoll und vorstandssicher.
Die Modedesignerin arbeitete neun Jahre als Führungskraft in der Mode- und Kosmetikbranche. Sie berät Entscheider und Unternehmen in Image-Fragen und trainiert Serviceteams und Personen in allen Fragen rund um den modischen Auftritt im Business und die persönliche Wirkung im Öffentlichkeitskontakt. Außerdem entwirft und produziert Sie Firmenkleidung (Corporate Couture). 2008 gründete sie Stilclub.de, ein Onlineportal zur Beantwortung von Stilfragen in Lexikonform, in dem Sie als Besucher auch Fragen stellen können.